Fliegenfischen an kleinen Bächen

Hier kommen die Fragen und Antworten zum Fliegenfischen rein.
Antworten
Adriank

Fliegenfischen an kleinen Bächen

Beitrag von Adriank »

Hallo allerseits!
Ich habe eine brennende Frage in mir schlummern und dank dieses Forums kann ich entlich auf eine Antwort hoffen.:-)

Ich fische seit einigen Jahre mit Wurm oder Maden an eher kleineren Bächen. Viele von Euch kennen warscheinlich die Fischerei an den Bächen. Man sieht einen Stein hinterdem das Wasser tief und ruhig ist und man wirft den Haken mit Wurm montiert, etwa 10-20 cm dahinter ein paar Bleischrote, in die ruhige Stelle. Dank der langen Bachrute kann man den Wurm ohne Probleme an dieser Stelle präsentieren ohne das der Köder gleich wieder abtreibt.

Ich habe im letzten Jahr an einem See gelernt Fliegenfischen.
Das klappt mitlerweile sehr gut, für meine Ansprüche. :D
Jetzt möchte ich aber uuuunbedingt mit der Fleigenrute in meinen heimischen Fliessgewässer fischen, aber wie mach ich das? Wenn ich eine grosse Gumpe habe geht das, aber wie steht es mit eher kleinen Stellen(30 auf 30cm oder so) wo die Strömung links und rechts vorbeifliesst?
Platziere ich meine Fliege genau auf der ruhigen Stelle hinter dem Stein, reisst mir die Strömung die schnur sogleich mit. Da nützt auch diese Schlaufe nichts die ich im Wasser mache(weiss jemand gleich den Fachbegriff für diese "Schlaufe"?).
Ich währe unglaublich dankbar für Eure Tips.
Und wenn Ihr mir auch noch verrät wie lange Euer Vorfach am Bach ist, bin ich einer der Glücklichsten Fischerforum.ch User die es gibt.:-)
Ich fischte am Bach bissher mit einem kürzeren Vorfach als am See von etwa 1-1.5m.

Vielen Dank schon jetzt für Eure Tips und Tricks!

Gruss aus Chur

Adi
Schweizer Angler

Beitrag von Schweizer Angler »

sali

am besten machst du einen fliegenfischerkurs wo am fluss/bach gelernt wird.
die fliegenfischerei am see ist zugegeben ein völlig anderes thema, und i.d.r lernt man zuerst am fluss/bach, dann erst am see fliegenfischen.
dieser weg ist auch einfacher und beschränkt dich weniger, das fischen zuerst am see (es hat ja keine strömung dort ausser solche durch wind) und die seefliegenfischerei, ist nicht mit dem fluss zu vergleichen.

in einem fliegenfischerkurs (frage fischereiartikel falk in chur) lernst du auch das für flüsse nötige "mending", also das umlegen der schnur.

nach einem fliegenfischerkurs kannst du dein wissen noch vertiefen, und ich würde danach noch einen spezialkurs im fliegenfischen am bergbach machen, wo auch trickwürfe gelernt werden. an einem seenkurs lernst du solche nicht und brauchst sie auch nicht, am bach/fluss schon.

auch solche bergbachkurse werden in deiner region angeboten, sonst wendest du dich an einen fliegenfischer in deinem kanton oder an günther feuerstein http://www.g-feuerstein.com/.


mein vorfach ist übrigens maxmal so lang wie die rute selbst, die vorfachspitze hingegen variert stark, hje nach strämung, con 35 cm bis 1m.

gruss

schweizer angler
Benutzeravatar
zuma
Beiträge: 351
Registriert: Fr 15. Dez 2006, 16:25
Wohnort: am Wasser
Has thanked: 21 times
Been thanked: 13 times
Kontaktdaten:
Switzerland

Beitrag von zuma »

Hallo Adi
Vorab möchte ich Dich beglückwünschen, auch am kleinen Bach die Trockenfliege ein zu setzen. Mit der Fliege lässt sich praktisch jeder Bereich eines Bergbaches befischen - es ist alles eine Frage der Wurftechnik und der Gerätezusammenstellung.
Fangen wir bei der Gerätezusammenstellung an:
1. Ich fische so kurze Rute wie möglich.
2. Ich fische ein sehr langes Vorfach (mind. 4.50 m!)
3. Ich fische so leichte Schnurklasse wie möglich
Die kurze Rute ermöglich ein Verlagern der Wurfebene in praktisch alle Richtungen, was bei einer langen Rute nicht der Fall ist. Die kürzesten Ruten, welch eich fische, sind gut 150 cm lang.
Das sehr lange Vorfach ermöglicht eine Präsentation im wilden Bergbach, welche nicht gleich zum dreggen neigt. Voraussetzung dazu, ist jedoch die entsprechende Wurftechnik!
Die leichte Schnurklasse schafft die Voraussetzung (zusammen mit der entsprechenden Rute) dass die geeignete Wurftechnik auch ausgeführt werden kann.

Zur Wurftechnik:
Es gibt verschiedene Trickwürfe, welche ermöglichen, die entsprechenden Situationen zu meistern. In folgendem Link hat ein guter Freund von mir die entsprechenden Trickwürfte zu dokumentieren versucht:

http://www.fliegenfischer-forum.de/taktik1.htm

Das oben geschriebene ist mein (unser) Weg, wie solche Gewässersituationen befischt werden. Es gibt Fliegenfischer, welche Dir die genau gegenteilige Gerätezusammenstellung empfehlen (Rute: 3 m, Vorfach 1 - 1.5 m). Die Fliege wird dabei wie beim Tippfischen direkt unter der Rutenspitze präsentiert. Was dies allerdings mit Fliegenfischen zu tun hat, kann ich mir nicht erklären. Bei dieser Technik würde ich auf die Fliegenrute und die Flugschnur verzichten und das Ganze an der 5 m Tipprute anbieten. Würde für mich aber heissen, dass man mit der Fliege fischt, jedoch kein Fliegenfischer ist - da gehört der entsprechende Wurf nämlich dazu.
Falls Du weitere Fragen zur Gebirgsbachfischerei mit der Fliege hast....nur zu!
Gruss Kurt

(Bambus-&Trockenfliegenpurist)
Adriank

Hallo "zuma" und "Schweizer Angler"

Beitrag von Adriank »

Vielen Dank an Euch für die raschen und wirklich seeehr ausführlichen Antworten.
Habe eure Zeilen natürlich sofort gierig verschlungen!!! :D

Zuerst an "Schweizer Anlger":

Ja da hast du schon recht. Das beste und einfachste(und leider auch teuerste) ist es einen Kurs zu besuchen. Da ich momentan aber keine Zeit habe für einen Kurs und mein ganzes Geld für meinen Kanadaurlaub draufgehen wird (übrigens mit Rolf Galliard), möchte ich einfach ein paar Tips haben.
Ich bin nicht ganz gleicher Meinung wie du, ob es besser ist zuerst am Bach das Fliegenfischen zu erlernen oder am See. Ich denke es ist doch besser zuerst den Grundwurf zu lernen, damit man das Gespür für das Werfen bekommt. Dann hat man eine gute Basis um weitere etwas kompliziertere und schwierigere Würfe in Angriff zu nehmen, die man dazu noch auf engen Platzverhältnissen anwenden soll. Oder warum denkst du ist es besser zuerst am Bach das Fliegenfischen zu erlernen?

Nun an "zuma":

Das finde ich seeehr interessant was du schreibst betreffend Vorfachlänge und es klingt für mich auch einleuchtend.
Das werde ich am Wochenende sicher ausprobieren!
Allerdings weiss ich nicht, ob ich ein 4,5m Vorfach werfen kann.:-)
Warscheinlich fehlt mir da noch etwas die Technik. :D

Nochmals vielen Dank für Eure Tips und Petri Heil!

Gruss aus Chur

Adi
Manuel

Beitrag von Manuel »

Hallo Zuma

Ich bin mit dir einig, was die kurze Rute und von mir aus auch die leichte Schnurklasse betrifft (Persönlich fische ich jedoch mit 7 Fuss Klasse 5/6, was ohne Probleme funktioniert). Aber das lange Vorfach ist m.E. für die Fischerei in kleinen Bächen weder notwendig noch geeignet.
Gerade in kleinen Fliessgewässern mit Gebüsch und anderen Hindernissen musst du auf engstem Raum vor allem Rollwürfe auf kurze Distanz machen, mit 4.5m Vorfach bringst du das nicht zustande. In meinem Bach habe ich selten 4.5m Raum nach hinten. Ein Bachvorfach sollte doch so ca. zwischen 1.80 und 2.10 lang sein, so kannst du auch optimal menden und hast die Drift selbst bei starker Strömung unter Kontrolle.

Gruss

Manuel
Schweizer Angler

Beitrag von Schweizer Angler »

adriank;

damit dem grundwurf allein bist am fluss oder bach schnell im "schilf" - da braucht es noch roll-, seiten-, schlangen- und oder rückhandwurf - am see braucht es nebst dem grundwurf höchstens noch den doppelzug und rollwurf. wenn das geld für einen kurs fehlt lasse dich von einem erfahrenen bergbachfliegenfischer-kollegen schulen. du kannst hunder websitenund fliegenfischerbücher lesen, gelernt zu werfen hast du damit noch lange nicht, es braucht immer die praxis.


@manu
bei kurzen ruten gebe ich zuma recht - auch ich fische an bergächen - sofern stark verwachsen, fliegenruten ab 1.4 m aftma 3. klappt tadellos, so fieng ich lette woche im kleinsten bergabach unter überhängendem gezweig eine schöne 33 bafo, an der 1.4 m rute. in diesem bach, besser an dieser stelle, wäre ein 7 fuss rute noch zu lange gewesenund im klnöcgheltiefen wasser wäre der fisch durch rollwurf längst verscheucht worden.

was zuma mit dem langen vorfach glaube ich meint, ist eine spezielle wurftechnik aus italien, wo man auf dieses vorfach schwört. persönlich komme ich aber mit konventionell kurzen vorfächer bestens zurecht.

gruss

schweizer angler
Benutzeravatar
zuma
Beiträge: 351
Registriert: Fr 15. Dez 2006, 16:25
Wohnort: am Wasser
Has thanked: 21 times
Been thanked: 13 times
Kontaktdaten:
Switzerland

Beitrag von zuma »

manu hat geschrieben:Hallo Zuma

Ich bin mit dir einig, was die kurze Rute und von mir aus auch die leichte Schnurklasse betrifft (Persönlich fische ich jedoch mit 7 Fuss Klasse 5/6, was ohne Probleme funktioniert). Aber das lange Vorfach ist m.E. für die Fischerei in kleinen Bächen weder notwendig noch geeignet.
Gerade in kleinen Fliessgewässern mit Gebüsch und anderen Hindernissen musst du auf engstem Raum vor allem Rollwürfe auf kurze Distanz machen, mit 4.5m Vorfach bringst du das nicht zustande. In meinem Bach habe ich selten 4.5m Raum nach hinten. Ein Bachvorfach sollte doch so ca. zwischen 1.80 und 2.10 lang sein, so kannst du auch optimal menden und hast die Drift selbst bei starker Strömung unter Kontrolle.

Gruss

Manuel
Hallo Manuel
Das dachte ich früher auch. Probiers aus und Du wirst Deine Meinung ändern .....oder auch nicht :lol:
Gruss Kurt

(Bambus-&Trockenfliegenpurist)
Manuel

Beitrag von Manuel »

Ich bin bereits am knüpfen ;-) und werde das Ganze Morgen einmal ausprobieren.

Gruss

Manuel
Schweizer Angler

Beitrag von Schweizer Angler »

@manu

es klappt wirklich mit dem 4.5m vorfach, aber eben mit spezieller wurftechnik.

sie ist nicht mein ding und ich komme mit der traditionellen bergbachtechnik und 1.5m vorfach oder maximal 1.8m auch bestens zurecht.

gruss

sa
coachman

Beitrag von coachman »

was bitte soll der Vorteil eines langen Vorfachs in einem kleinen Bach sein?
Schweizer Angler

Beitrag von Schweizer Angler »

@coachman

zuma solls dir erklären;

es braucht einen speziellen wurf dazu, der stark vereinfacht gesagt ein "dauerndes menden" in richtung fischwasser ist.

der vorteil ist, besonders in starker strömung befischen von pools/taschen, die von zwei seiten mit einer starken strömung umgangen sind, das vorfach, und eben hier die fliege, viel länger auf der stelle bleibt wo der vermutete fisch isteht. das lange vorfach wird viel weniger schnell fortgerissen, als mit einem kurzen vorfach.
der wurf ist glaube ich vom italienischen TLT-Stilk abgewandelt, in der schweiz und italien von verfechtern der SIM www.simfly.it/
(italienische wurfschule) propagiert.

den einen gefällts, den anderen nicht, wie gesagt komme ich persönlich mit dem kurzen vv sehr gut zurecht, der italienische wurf mit langem vorfach ist aber durchaus interessant.

gruss

sa
Psy

Beitrag von Psy »

Da ja 90% der Fischer nicht mal einen ganz normalen Wurf beherrschen sehe ich da ein bisschen schwarz - ich möchte wetten, dass der "spezielle Wurfstil" nicht mal einen deutschen Namen hat. Leute, ich will Fische zum Anbeissen reizen und nicht akrobatische Einlagen am Wasser bieten! :evil:
Royal Coachman

Fliege

Beitrag von Royal Coachman »

Hallo Adi !

Es gibt eine sehr einfache zumindest teilweise Lösung für Dein Problem und das ist die entsprechene Aufbereitung Deiner Fliege.

Erstens keine Parachutes oder CDC sondern richtige altmodische Hechelfliegen, sehr gut sind auch tauchende Segdes oder Attractors nach Randall Kauffmann und alles in ordentlicher Größe 12/14 ist gerade richtig!

Zweitens, die unteren Hecheln auf 1/3 kürzen

Drittens, die Fliege niemals fetten, sie soll nämlich bei Zug unter Wasser gehen

Viertens, diagonal stromab fischen, das ist zwar nicht unbedingt immer Trockenfischerei, aber sehr effektiv. Also zurückgezogenes Aufsetzen, kurze freie Drift, dann unter Wasser herumschwingen lassen. Natürlich ist alles nur platzbedingt einsetzbar.

Du mußt nur aufpassen, bei dieser Art der Fischerei sollte das Hakensetzen verzögert erfolgen, da der Fisch erst tauchen muß, sonst ziehst Du ihm die Fliege aus dem Maul und nur Schnur spannen, kein Anhieb.

Viel Erfolg
Royal Coachman

PS: Du wirst Dich wundern, wo überall Fische stehen, die Du gar nicht bemerkt hast!
oliman76

Beitrag von oliman76 »

Da hast du ja schon einige Abtworten bekommen...
Ja, mit dem Fliegenfischen ists halt so wie im Berufsleben...stetige Weiterbildung führt zum Erfolg...

Ich habe dir da noch eine andere Möglichkeit, die durchaus erfolgreich ist, Trockenfliegenpuristen werden sich die Haare raufen...aber egal, Fliegenfischen beinhaltet ein breites Spektrum...
Als Grund und Madenfischer solltest du eigentlich diese Technik beherrschen.
Du nimmst eine beschwerte Nymphe.Fische hinter kleinen Steinen genau gleich wie dus mit der Made getan hast, nämlich ohne werfen! In der linken Hand hast du die Fliegenschnur, mit der rechten balancierst du das ganze hinter den Stein, lass die Nymphe hinunter, dann lasse die Nymphe tanzen...Mit einer Auf- und Abwärtsbewegung der Rutenspitze...Aber Achtung, die Bisse kommen wehement.
So fische ich an schwierigen Stellen. Natürlich immer auf die Tarnung achten, aber das weisst du ja als ehemaliger Schwebeler besser...
Probiers mal aus.

Gruss oliman
Adriank

Vielen Dank!

Beitrag von Adriank »

Es ist toll wieviele Antworten man von Euch bekommt.
Dazu sind sie noch ausführlich und ungemein Interessant!
Ich werde sicher einige Eurer Techniken ausprobieren.
Dort wo kaum Platz zum werfen ist und der Bach so schmal und steil, dass die zu befischende Stelle sowieso vor meiner Nase liegt werde ich sicher auch die Methode von "oliman76" anwenden. Was spricht schon dagegen?

Deine Methode "Royal Coachman" finde ich auch interessant und ist mit meinem bescheidenen Können sicher auch auszuführen.
Hoffentlich finde ich diese Woche an einem Abend Zeit um das ganze auszuprobieren!

Gruss an alle und ein kräftiges Petri Heil!
Antworten

Zurück zu „Fliegenfischen - Die Technik“