Mützenschnecke

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
Antworten
Benutzeravatar
miKe
Beiträge: 1019
Registriert: Mo 16. Okt 2006, 11:51
Meine Gewässer: vorwiegend Kanton Bern
Wohnort: Am Tor zum schönen Berner Seeland
Has thanked: 1 time
Been thanked: 6 times
Faroe Islands

Mützenschnecke

Beitrag von miKe »

Hallo allerseits

Letzte Äschen-Saison konnte ich eine interessante Entdeckung machen. Eine von mir gefangene und behändigte Äsche hatte offenbar Mützenschnecken (evtl. Napfschnecken - ich kann die beiden Arten leider nicht abschliessend unterscheiden und zuordnen) zum Fressen gern! Nebst einer Vielzahl dieser Schnecken wies diese Äsche nur eine geringe Anzahl anderer Nährtiere auf. Zu erwähnen gilt noch, dass diese Äsche die einzige der gefangenen und behändigten Tiere war, welche ihre Nahrung offensichtlich auf diese Schnecken ausgerichtet und spezialisiert hat. Bei anderen Äschen konnte ich diese Beobachtung nicht bestätigen.

Ich finde diese Beobachtung sehr interessant, muss doch davon ausgegangen werden, dass diese Schnecken vom Untergrund aufgesammelt, ja regelrecht aufgepickt und vom Substrat abgezupft wurden. Das bspw. Bachforellen oftmals alles mögliche in ihren Mägen aufweisen ist bekannt. Dass Äschen aber die genannten Schnecken in ihrem Nahrungsplan aufgenommen, bzw. sich darauf sogar spezialisiert haben, erstaunt mich.

Man hat def. nie ausgelernt! :wink:

Gruss
miKe
harro

Re: Mützenschnecke

Beitrag von harro »

Hatte genau die selben Augen gemacht als ich 2 Aeschenmägen untersuchte im November08.Beide Fische aus der Aare in der Region Aarau-Olten und prall gefüllt mit den Schnecken.5/6 der Dinger ist Schale.
Schweizer Angler

Re: Mützenschnecke

Beitrag von Schweizer Angler »

ich glaube das nahrungspektrum der Äschen ist nicht so schmal wie es oft in Angler-Büchern steht.

dort wo ich, als man bei uns noch durfte, auf Äschen gieng (Aare unterhalb Thun), fand ich ähnlich bei Bachforellen auch Tannadeln, Köcherfliegenlarven und eben auch Schnecken mit Gehäuse etc. im magen, bei äschen ab 40 cm auch regelmässig anverdaute Kleinfische. mich hat auch gedünkt je grösser die äsche desto weniger steigt sie, zumindest an diesen strecken.

gruss

sa
Helmut

Re: Mützenschnecke

Beitrag von Helmut »

Ich denke mal Äschen sind da sehr variabel, bei uns gibt es einen Kanal wo auch sehr viel Schnecken und Muscheln vorkommen, so ist es auch nicht verwunderlich wenn man in den Mägen der Fische auch regelmäßig diese wiederfindet.
Aber auch mit Köderfisch und Blinker fängt man ja auch immer wieder mal Äschen. Mich würde es interessieren, ob einfach sich immer wieder Äschen zu "Raubäschen" entwickeln, oder es einfach nur mal um eine fischige Zwischenmahlzeit handelt.
Reverend

Re: Mützenschnecke

Beitrag von Reverend »

Ich denke, dass - wie andere Salmoniden auch - Äschen im beginnenden Frühjahr bei der Nahrungsauswahl weniger wählerisch sind als später im Jahr.
Die Fische sind ausgehungert vom Laichgeschäft. Und so werden dann auch größere Nährtiere, wie eben Wasserschnecken verschiedener Art, als willkommener Proteinhappen verzehrt.
Hinzu kommt noch, dass die Fische in der kalten Witterung fast immer grundnah stehen, was sich mit zunehmender Erwärmung des Wassers dann ändert.
Auch der Aufstieg von Insektenlarven zum Schlupf erfolgt erst, wenn das Wasser sich wieder zu erwärmen beginnt.

Ein ähnliches Phänomen hast du, lieber Helmut, doch auch schon wiederholt bei Felchen beschrieben:
Im zeitigen Frühjahr gehen sie auf Mistwurm. In ihren Mägen finden sich Tubifex-Würmer, Wasserschnecken und ähnliche untypische Felchennahrung.
Helmut

Re: Mützenschnecke

Beitrag von Helmut »

Reverend hat geschrieben: Ein ähnliches Phänomen hast du, lieber Helmut, doch auch schon wiederholt bei Felchen beschrieben:
Im zeitigen Frühjahr gehen sie auf Mistwurm. In ihren Mägen finden sich Tubifex-Würmer, Wasserschnecken und ähnliche untypische Felchennahrung.
Guter Vergleich Gerhard :!:
Vielleicht steckt da auch was dahinter das ich im Herbst schon mehrmals Forellen mit Mäusen im Magen gefangen habe..........
Benutzeravatar
miKe
Beiträge: 1019
Registriert: Mo 16. Okt 2006, 11:51
Meine Gewässer: vorwiegend Kanton Bern
Wohnort: Am Tor zum schönen Berner Seeland
Has thanked: 1 time
Been thanked: 6 times
Faroe Islands

Re: Mützenschnecke

Beitrag von miKe »

Ich gehe davon aus, dass sich die Fische opportunistisch ernähren. Soll heissen: es wird gefressen was vorhanden ist. Erstaunt hat mich bei der im ersten Posting erwähnten Äsche, dass sie als einzige ausschliesslich die Schnecken im Magen hatte und kaum andere Nährtiere aufwies. Bei allen anderen Äschen, die ich gefangen und behändigt habe, konnte ich keine Schnecken im Magen finden. Da war der übliche Brei vorhanden. Bachflohkrebse, Mückenlarven, Köcherfliegenlarven (mit Köcher), etc...

Scheint sich bei diesem Tier in der Tat eine Nahrungsspezialisierung eingestellt zu haben... Warum auch immer...
Antworten

Zurück zu „Fischbiologie“