Am Samstag (26.05.2012) Morgen stand ich kurz vor dem Dillema: entweder notfallmässig zum Zahnarzt oder endlich wieder in die Höhe. Ein paar Dafalgan in die Hosentasche und schon ging es los richtung Engstlenalp. Ob die Strasse frei ist, habe ich im Vorfeld abgeklärt, aber ob der See überhaupt eisfrei ist...... naja.
Oben angekommen, war es nicht so schlimm wie ich befürchtet habe. Am Nordufer waren ein paar eisfreie Stellen und der hinterste Teil beim Geröllfeld war komplett eisfrei. Das reicht, um in die neue Saison zu starten.
Der Plan war, sich bis zum hinteren Ende des Sees zu durchzuschlagen und da sich kein Leben in Ufernähe abspielte, musste tief gefisch werden. Als Köder wurde der nigelnagelneue Inkoo in der 18g Ausführung gewählt.
Der Südhang ist fast komplett schneefrei und die Flora nimmt die Landschaft in Beschlag
Platz zum Werfen ist da
Nachdem alle eisfreien Stellen im vorderen Teil erfolglos abgesucht waren, machte ich mich auf den Weg richtung Geröllfeld und stand kurze Zeit später vor dieser Kulisse:
Eine Mischung aus Geröll, zu Eis gefrorenem Schnee, zugedeckt mit Erde versperrte mir den Weg. Also, nix wie drüber.
Kaum auf der anderen Seite angekommen, stand ich erneut vor einer Prüfung. Wo, zur Hölle, ist der Weg hin?
Der Weg zum Jochpass und der kleine Pfad zum Geröllfeld sind nicht mehr ganz da. Die Kräfte der Natur waren wohl stärker.
Von der anderen Seite aus gesehen. Es muss ein nicht ganz ungefährlicher Umweg gemacht werden, um den hinteren Seeteil zu erreichen.
Wenn ich mir diese Risse und die Form des Hangs anschaue, dann macht mir der nächste starke Regenfall grosse Sorgen. Bei nassen Verhältnissen würde ich momentan von diesem Weg abraten. Ich weiss nicht wie lange es dauert bis der Weg wieder repariert ist.
Nun war ich da und es boten sich diese netten Bilder an
Das Wetter gut, das Wasser Glasklar und der Wind im Rücken, da sollte doch der Löffel ganz schön weit fliegen. Das tat er dann auch sehr bald, vorher wurde noch sicherheitshalber eine Bienenmade auf Grund gesetzt. Nach etwa zehn Würfen kam bereits der erste Biss. Die schwachen und unregelmässigen Schläge in der Rute deuteten auf einen kleinen, sich drehenden Saibling. Nach wenigen Sekunden war in der Rute nichts mehr zu spüren, ES zog wohl vor im Wasser zu bleiben.
Keine fünf Würfe später kam der nächste "Schwächling", der aber nicht entwischen konnte. Zumindest nicht mir, denn ihm ragte ein halber Meter Schnur aus dem Maul. Zuhause kam dann noch der Twister am Ende der Schnur zum Vorschein. Da hatte wohl ein Eisfischer seinen Knoten nicht richtig gebunden.
Es ging Schlag auf Schlag weiter. Die nächsten zwei Kanadier waren etwas grösser und noch ein, wohl nicht grösserer Aussteiger konnte verzeichnet werden. Dann ruckelte es etwas stärker in der Rute und ein ca. 40-er Namaycush kam zum Vorschein. Er konnte sich vor meinen Füssen befreien, dies dank der wirklich heftigen Gegenwehr in Form von wilden Drehungen - die Saiblinge halt. Der nächste Wurf und wieder knallt es ganz schön in das feine Rütchen, diesmal aber, ging ich es etwas vorsichtiger an und konnte den 37-er landen. War es der gleiche wie vorhin? Das werde ich wohl nie wissen, wohl auch nicht wohin sich die Fische verdrückt haben, denn es kam danach kein Biss mehr. Das war der Anlass, mich auf den Rückweg und hier und da noch einen Wurf zu machen. Dabei wurde, wie könnte es auch anders sein, der nigelnagelneue und anscheinend sehr fängige Inkoo, nach einer Konfrontation mit einem Stein am Grund des Sees, ehrenhaft entlassen.
Mit sehr viel schönen Eindrücken und mit vier schneegekühlten Kanadiern,
machte ich mich auf den Weg nach Hause. Auf dem Weg hinab, im Wunderschönen Gental, konnte ich kurz noch meine Spiegelreflexkamera entstauben.
Ist immer wieder ein Genuss
Es sprudelt überall
Nach einer Entspannungsnacht im Kühlschrank kamen gestern die zwei kleineren Kanukis geschuppt, ganz am Stück und nur mit Salz gewürzt in die Pfanne. Aussen kross, innen Saftig - besser kann die Bergseesaison nicht starten. Und morgen...ja morgen erzähl ich dann dem Zahnarzt von meinem kleinen Abenteuer.
Für meine Verhältnisse, habe ich mich jetzt zu Tode getippt. In diesem Sinne ein dickes Petri euch allen.

