Riverrafting und Fischwelt

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
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helix
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Riverrafting und Fischwelt

Beitrag von helix »

Hallo zusammen!

Im Jahrbuch 2010 des Uferschutzverbandes Thuner- und Brienzersee (UTB) habe ich einen spannenden Bericht gelesen. Unter dem Titel "Menschen auf dem Wasser und die Natur" wurden allgemeine Konflikte zwischen Tourismus (v.a. Riverrafting) und Naturschutz aufgezeigt. Es wurde aber auch explizit auf die Probleme in der Fischwelt hingewiesen.

Genannt wurden beispielsweise folgende Probleme die durch das Riverrafting verursacht werden:

- Dauerstress, Störung der Nahrungsaufnahme, Zerstörung von Mikrohabitaten (Ruheplätze)
- Störung der Laichwanderung der Bafo ab September und der Fortpflanzung ab November sowie der Brut im Frühjahr
- Störung der stark gefährdeten Art Seeforelle bei der Laichwanderung und des Laichgeschäfts ab August
- Zerstörung der Laichplätze der Seeforelle, Störung der Jungenentwicklung
- Störung der Fortpflanzung von Kleinfischen wie Groppen und Elritzen

Obwohl ich auf meinem Arbeitsweg regelmässig Riverrafter auf der Lütschine beobachte, habe ich noch nie daran gedacht, dass diese die Fischwelt im Bach derart massiv stören könnten. Auch in Fischerkreisen habe ich noch nie von dieser Problematik gehört. So war ich auch einigermassen erstaunt über diesen Bericht.

Wie gravierend ist eurer Meinung nach der Einfluss von Riverraftern auf die Fischwelt? Denkt ihr, dass das Riverrafting mitverantwortlich für den Rückgang von natürlichen Populationen von Bach- und Seeforellen sein könnte? Oder seht ihr die geschilderten Probleme als übertrieben?

Bin gespannt auf eure Meinungen!

Gruss
helix
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Gruess helix
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BrownTrout
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Re: Riverrafting und Fischwelt

Beitrag von BrownTrout »

Hallo Helix

Ich denke nicht das es Hauptsächlich die Schuld der Rafter ist, andernorts wo dieser Sport verboten ist gehen die Zahlen leider auch zurück! Die Strom produktion mit ihrem blöden Schwall und Sunk betrieb ist wahrscheinlich der grössere Faktor :evil:
Man kann auch nicht den Wassersport verbieten da das Wasser allen gehört aber man müsste es ganz bestimmt einschränken vorallem in den Laichzeiten, das die fische ihre ruhe haben!
Fischen ist das wohl schönste Hobby
gonefishing

Re: Riverrafting und Fischwelt

Beitrag von gonefishing »

Halte ich für stark übertrieben:
- Wo fahren so viele Rafts, dass man von Dauerstress sprechen kann?
- Die Rafter sitzen hauptsächlich in ihrem Gummiboot und zerstören während dessen keine Mikrohabitate und Laichplätze
- Bei Niedrigwasser (Hauptlaichzeit von Salmoniden und Groppen) sind in den meisten Gewässern kaum Rafter unterwegs
- Rafting ist fast nur in grösseren Fliessgewässern auf bestimmten 'Fahrlinien' möglich, dort gibt es bei tatsächlich massierten Auftreten Ausweichmöglichkeiten für die Fische
- Treten die Rafts tatsächlich regelmässig in hoher Anzahl auf, dürften sich die Fisch dran gewöhnen
ghiozzo

Re: Riverrafting und Fischwelt

Beitrag von ghiozzo »

ich schliesse mich GoneFishings Meinung an. Ich bezweifle stark, dass die Störung durch Rafter jemals stark genug ist um eine echte Beeinträchtigung zu bewirken. Meines Erachtens können sich Tiere an solche Störungen meist besser anpassen, als wir denken; vgl. z.B. die Brutvögel rund um die Landepisten von Flughafen. Ähnlich wie sich die meisten Vierbeiner nie blicken lassen, wenn man als Fussgänger unterwegs ist, aber wie man dann wieder im Auto hockt, sieht man sie dutzendfach am Strassenrand, so vermute ich, dass sich ein Fisch eher durch pirschende Ufer-Angler und Wanderer gestört fühlt als durch ein vorbeirauschendes Gummiboot...

Aber klar, wenn DIE Landestelle der Paddler genau auf dem besten Kiesfleck weit und breit liegt, und da alle Rafter rein- und raustrampeln, dann ist das vermutlich nicht ideal. Aber in den Rafting-Flüssen ist das Kies ja vermutlich nicht der limitierende Faktor?
Schweizer Angler

Re: Riverrafting und Fischwelt

Beitrag von Schweizer Angler »

das riverrafting stört die fischwelt schon, dies hat mir auch ein fischereiaufseher des kt. be bestätigt, welcher sich z.b. am zunehmenden rafting in der oberen emme (z.b. räbloch) stört. scheins können die fische gestresst und gestört werden, aber merklich scheins vorallem knapp vor der laichzeit (paarbildung), dann während dem laichen (stress), und nach dem laichen wenn die fische eh geschwächt sind. die diskussion ist eigentlich recht ähnlich wie bei den jägern und dem heli-skiing.

probleme können entstehen wo viel und regelmässig geraftet wird, oder wo gruppenweise geraftet wird und keine festen aus- und einstiegsorte bezeichnet sind, jegliches ein- und auswassern hat eine beeinträchigung der flussohle zur folge. gefährdetet strecken kann man (und dies wird bei uns teils auch) auch mit wasserfahrverboten belegen (nur hält sie wie auch im strassenverkehr nicht jedermann ein, ich beobachte dies jedes jahr in seitenarmen der aare). canyoning/rafting das befahren mit booten ist im kt. be auf einigen flussstrecken (vorallem bäche) sogar ausdrücklich verboten. die einen bäche etragens mehr, die anderen halt weniger.
andereseits sind gerade fische in fliessgewässern immer wieder im "natur-stress" - jedes hochwasser welches geschiebe bewegt erzeugt stress.

das canyoning, also das begehen der flussbette durch gruppen die sich durch pools stürzen und im flussbett herumgehen (einfluss auf die fischwelt grösser als beim canoeing), ist eine einträgliche tourismusquelle im beo (region gstaad, zweisimmen und interlaken wo die anbieter zuhause sind), ist aber teils schon geregelt. es darf nur zu bestimmten zeiten ausgeführt werden, zugegeben nicht nur zum wohl der fische (denn dann sollte man konsequenterweise auch watverbote für fischer zu bestimmten zeiten erlassen), sondern auch dass sich fischer und canyonist nicht in die quere kommen.
in einigen kanuführern wird ebenso für einige bäche im beo erwähnt, dass man das hobby nicht am montag, mittwoch oder samstag ausführen soll, dann wenn die fischer im bach fischen dürfen (andere wochentage sind in einigen bächen schontage die die fischer selbst einhalten müssen). die einhaltung der tage durch die kanuten ist aber fakultativ, die (freiwillige)einhaltung desshalb verschieden.
potentielle probleme bietet auch das bachwandern, ein neue "touristen-gag" wo man einfach durch ein bachbett wandert/klettert (ist aber zugegeben auch mit dem watfischen vergleichbar) anstelle auf einem wanderweg. so gibt es angebote z.b. im diemtigtal/simmental. und wenn es auch in nebenbächen von fischgewässern stattfindet, so so beherbergen gerade die nebenbäche oft die besten laichplätze von wo dann eine natürliche abwanderung der jungfische in den unteren fluss/bach stattfindet, und später wiederum der laichaufstieg. im kanton gr und ne kennt man denn in einigen fischbächen auch ein watverbot (ganzjährig oder saisonal) für fischer.

es gibt studien aus usa und can die den einfluss des bootsfahrens auf die fische in flüssen untersucht haben, nur ist es nicht direkt mit der ch vergleichbar, weil in usa/can oft ein fly-out in wenig besiedeltes gebiet stattfindet und ein boot eines von wenigen gesamthaft im jahr gesehen ist. mehr sorgen macht den amis und kanadiern z.t wenn motorisierte boote in salmonidenfliessgewässern gebraucht werden, der motor vermag den kiesboden (laichsubstrat) aufzuwirbeln und nachhaltig zu schädigen.

weiterführende infos;

http://www.be.ch/web/index/kanton/kanto ... tm?id=3681

http://www.wilde-wasser.ch/dok/auszug_p ... wasser.pdf

zitat aus einem deutschen kanuführer;

"Beim XXX handelt es sich um ein Fischerei Aufzuchtgewässer, Bach nicht bei knappem Wasserstand fahren".


gruss

sa
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helix
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Re: Riverrafting und Fischwelt

Beitrag von helix »

Anschauliche Erklärungen, die ihr da schildert! :up:

Ich empfand anfänglich ähnlich wie Mattu und Ghiozzo den Einfluss der Riverrafter auch eher als gering. Hauptargument für mich ist hier auch die Anpassungsfähigkeit der Natur, die aber oftmals unterschätzt wird. Allerdings finde ich es auch richtig, dass von fischereilicher Seite mögliche Gefahren für die Fischwelt aufgezeigt werden und man nicht bereit ist, das Riverraften ohne Einschränkungen hinzunehmen.

Um übrigens die Habitate vor allem während den Laichzeiten zu schützen, gibt es auch auf der Lütschine sowohl zeitlich als auch örtliche Einschränkungen. Zudem finden jährlich Koordinationssitzungen statt, um diesbezüglich aktuelle Fragen und allfällige Anpassungen vorzunehemen.

In der Lütschine herrscht zwar zum Glück nur wenig Schwall und Sunk, allerdings macht gerade die Schwarze Lütschine ihrem Namen alle Ehre. Im den Sommermonaten kommt sie oft tagelang in derart dunkelgrauem bis schwarzen Ton daher, dass man erstaunt ist, dass es da überhaupt noch Fische drin hat und da kann ich mir auch nicht vorstellen, dass die Riverrafter gross Einfluss auf die Fischwelt nehmen. Betreffend der massiven Dichte an Geschiebe kann der Mensch aber wohl wenig beeinflussen, auch wenn sehr aufwändige (auch finanziell) Renaturierungen vorgenommen wurden im erwähnten Abschnitt. Bei diesen Bachkorrekturen handelt es sich v.a. um hochwasserbedingte Anpassungen, wobei hier auch die Interessen der Fischerei berücksichtig wurden - es wurde auf sehr eindrückliche Art neuer Lebensraum für die Fische geschaffen.

Wie SA auch aufzeigte, prallen bei dieser Thematik wirklich unterschiedliche Organisationen und Anliegen aufeinander. Meiner Ansicht nach werden dabei die Anliegen von Seite der Fischerei sehr ernst genommen und auch konkret gefördert. Dass die Natur und auch Bäche von unterschiedlichen Seiten genutzt werden, müssen wir als Fischer sicherlich akzeptieren, schliesslich gehören die Bäche nicht uns und unsere Anliegen sind nicht automatisch auch die Anliegen des Tourismus und anderen Organisationen.

Gruss
helix
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Gruess helix
ghiozzo

Re: Riverrafting und Fischwelt

Beitrag von ghiozzo »

Finds auch spannend, und dank der sachlichen Diskussion getrau ich mich auch mal ein bisschen tiefer ins Wasser :)

Einen etwas ketzerisch gefärbten Kommentar zum Thema Canyoning hätt ich noch; beim Canyoning (im Gegensatz zum Flusswandern) geht es ja meist um enge Schluchten mit tollen Sprüngen, Abseilen und so... ich würd jetzt einfach mal behaupten, das sind sowieso keine "echten" Fischgewässer, da mit zig Abstürzen und Wasserfällen überhaupt nicht vernetzt mit einem grösseren Fischbestand. Wenns in einem solchen Bach Fische drinn hat, dann nur, weil wir sie da hineintun. So gesehen geht es in einem solchen Fall dann nicht mehr um Naturschutz vs. Sport sondern um Sport vs. Sport...

(Mal abgesehen von der seltenen Situation, wo oben an der Schlucht eine paradiesisch grosse Hochebene liegt...)
Schweizer Angler

Re: Riverrafting und Fischwelt

Beitrag von Schweizer Angler »

also 2 canyoning gewässer welche ich kenne wird auch in den schluchten/pools wo canyoning stattfindet natürlich von fischen besiedelt. zwar können sie nicht die schluchten heraufwandern, aber von oben herunter. in den strecken oberhalb des pools hat es fische, im einen kommen sie von einem see herunter (okey, der wurde früher künstlich besetzt, nun aber seit mehr als 10 jahren nicht mehr, das andere gewässer wurde in den seitenbächen oberhalb der schlucht /pools einmal erfolgreich besetzt, nun laichen die fische dort natürlich ab und beleben die unteren gewässerstrecken mit nachwuchs.


gruss

sa
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