Warum sterben im Mai viele Egli nach dem Fang?

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
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big trout

Warum sterben im Mai viele Egli nach dem Fang?

Beitrag von big trout »

hallo zusammen.
Letzten Samstag war ich am Hallwylersee, wo in etwa 5 Metern Tiefe ein schönes 30er Egli erwischte. Danach hälterte ich es während dem Weiterfischen im Fischkasten, und seit Samstagaben in meinem Fischbassin. Das Egli liegt seither leider immer mit dem Bauch an der Oberfläche. Wenn ich es berühre schwimmt es jedoch ein wenig irritiert und untypisch im Aquarium herum.
Ich habe schon oft die Erfahrung im Mai gemacht, wenn man Fische in 5 Metern Tiefe fängt, wo das Wasser viel kühler ist als an der Oberfläche wo es schon warm ist, dass viele Fische leider sterben.
Kann jemand dazu etwas sagen? Hängt dies mit der Sauerstoffversorgung des Gehirns zusammen? Oder hat der Fisch schon irreparable Nervenschädigungen erfahren, wodurch er nicht mer lange überleben wird? Fakt ist jedoch, dass seit 3 Tagen noch lebt.... Mit der Nahrungsaufnahme dürfte es jedoch auf die Dauer schwieriger werden.

gruss flo
Schweizer Angler

Beitrag von Schweizer Angler »

sali

das kann viele gründe haben.

aber allg. würde ich das egli sofort töten, immerhin haben wir mittwoch seit seinem fang. dass es wieder "gesund" wird ist nicht anzunehmen, desshalb lieber vom leiden befreien. (!)

gruss

schweizer angler
phsch

Beitrag von phsch »

Schweizer Angler hat geschrieben: aber allg. würde ich das egli sofort töten, immerhin haben wir mittwoch seit seinem fang. dass es wieder "gesund" wird ist nicht anzunehmen, desshalb lieber vom leiden befreien. (!)
hundertprozentige zustimmung! ... kann das verhalten diesem tier gegenüber ehrlich gesagt nicht nachvollziehen :x
big trout

Beitrag von big trout »

ja da gibt es natürlich verschiedene Ansichten....
ob Fische Schmerzempfinden haben oder nicht...ob es besser ist Fische prophylaktisch zu töten oder ob er sich nicht wieder erholt, immerhin schwamm er jetzt gerade wieder normal, als ich schauen gegangen bin.
phsch

Beitrag von phsch »

Hi big trout,

Sicher hast du Recht, es gibt immer verschiedene Ansichten. Auch stimmts, dass ich den konkreten, von dir beschriebenen Sachverhalt nicht so gut kenne wie du. Aber als verantwortungsvolle Fischer sollten wir unser Handeln immer im Interesse des Fisches ausgestalten. Nicht was für uns am Besten ist, darf unser Handeln entscheiden. Wir müssen uns immer bewusst sein, dass wir als Fischer eine besondere Verantwortung gegenüber der Kreatur Fisch haben und alles, was wir tun und dieses Tun unsere besondere Stellung verletzt, ist "heikel"... und spült nicht zu letzt auch Wasser auf die Mühle unserer Gegner. Daher, ein sorgfältiges Abwägen in jedem Einzelfall ist sicher nicht falsch. Dies meine Meinung, die sicher nicht repräsentativ ist.
astacus

Beitrag von astacus »

selbstverständlich ist das schmerzempfinden von fischen nicht restlos geklärt. allerdings spricht vieles dafür, dass sie tatsächlich schmerzen empfinden. unter dem strich bin ich aber mit dir einig, dass wir es nicht sicher wissen.

aber was heisst das? dass wir besser davon ausgehen sollten, dass sie kein schmerzempfinden haben??? bestimmt nicht! da wir es nicht ausschliessen könnten, müssen wir der kreatur zuliebe doch davon ausgehen, dass sie schmerzen empfindet und uns danach richten.

daneben gibts übrigens auch noch rechtliche aspekte. als fischer bist du verpflichtet, nicht mehr lebensfähige fische, welche du gefangen hast, zu töten (auch untermassige und in der schonzeit gefangene). zudem ist das grundlose quälen von tieren ebenfalls verboten (das hältern von vermutlich sterbenden tieren gehört auch dazu). es ist also nicht nur ein moralisches problem, so mit einem fisch umzugehen, sondern auch ein rechtliches.

und wie phsch schon gesagt hat, müssen wir fischer auch auf unsere wahrnehmung in der öffentlichkeit achten. zwar sind wir wohl noch beliebter als die jäger, aber auch das kann sich ändern. und bekanntlich liest im internetforen immer auch der feind mit.
big trout

Beitrag von big trout »

ihr beide habt ja da ein paar interessante Aspekte erwähnt.
Fakt ist, dass mein Egli wieder normal schwimmt, und man daher annehmen könnte, dass es ihm besser geht. Schade ist, dass meine Frage in eine Grundsatzdiskussion führte, wie man sie hier oft hat, jedoch nicht schadet und auch gut ist, damit jeder seine Meinung/ Handeln ev. neu überdenken kann.
So genau, wie ich meine Geschichte geschildert habe, ist es klar, dass sie eine Angriffsfläche für Kritik bot. Wahrscheinlich hat sich zuwenig herauskristallisiert, dass ich wissen (wollte) will, warum viele Fische Sterben, wenn man sie im Mai, wenn das Wasser sehr unterschiedliche Temperaturen aufweist., fängt, sterben.
Aber es ist mir bewusst, dass dies eine schwierige Frage ist, die nur ein Fachmann beantworten kann...Und das Gebiet der Fischereibiologie sowieso zu wenig erforscht ist, weil es für uns zu wenig relevant ist. Die Forschung in der Biologie wird vor allem in Richtung menschlich relevante Themen: Genetik, Krankheiten, Biochemie...
Eine Dissertation in Richtung Fischereibiologie, Schmerzempfinden wäre doch eine gute Sache. Hoffentlich haben wir einen angehenden Biologen hier drin!
Dass wir Fischer in der Öffentlichkeit immer mehr in Kritik geraten, ist eine Tatsache, der wir kompetent begegnen müssen, damit wir unser Hobby noch länger ausführen können. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist sicher, dass das Brevet obligatorisch wird, wodurch wir uns in einem gewissen Mass qualifizieren können/müssen/sollen.
In Zukunft müssen wir uns in der Öffentlichkeit professionel verhalten, dafür sind natürlich solch ehrlichen Schilderungen von mir höchst hinderlich. Jedoch möchte ich damit auch darauf hinweisen, dass es nicht intelligent ist, vorlaut Meinungen und Anschuldigungen zu verschreien, bei Tatsachen die man gar nicht weiss oder wissen kann. z.B Schmerzempfinden. Wobei man jedoch im Zweifel sicher für den Fisch entscheiden sollte.
Ein anderes Beispiel: Wenn man Egli und Aal fängt, und diese den Hacken schlucken, schneidet man das Vorfach ab, findet man nächsten Reinigen des Fischbassins den Haken. Wenn das ein Tierschützer oder ein Fischergegner sehen würde, könnte er uns damit aufhängen! Aber offensichtlich überlebt es der Fisch.
Ich finde eben man muss nicht gleich jeden Fisch töten , den man fängt. Wenn es die Umstände zulassen hältere ich ihn im Bassin oder setze ihn zurück, schliesslich sind wir auch für die Bestände verantwortlich!

Und was heisst , man muss nicht mehr lebensfähige Fische töten. Jeder der nicht so viel von der Fischerei versteht, würde zu Recht argumentieren, ein Fisch mit Haken im Schlund sei nicht mehr lebensfähig. Muss man ihn deswegen töten?

gruss flo
MS Tripper

Beitrag von MS Tripper »

Im Grundsatz ist deine Argumentation logisch und einleuchtend. Aber hier nur noch eine kleine Anmerkung meinerseits:

Es wird viel über Schmerz, bzw. über das Schmerzempfinden von Fischen diskutiert. Meines Erachtens ist aber nicht primär der Schmerz, welchen ein Fisch empfindet (oder eben nicht...) das Entscheidende, sondern der Stress. Einen Wildfang nach dem Fangen zu hältern käme für mich persönlich nicht in Frage, weil ich 1° keinen logischen Grund dafür sehe, und 2° der Fisch dadurch zweifellos einem (unnötigen) Stress ausgesetzt wird. Dass er dadurch anfällig wird für Krankheiten (v.a. infektiöser Natur), ist klar und könnte ev. das Verhalten deines Eglis erkären!?
Angler135

Beitrag von Angler135 »

Ich habe auch schon aus Seen entnommene Fische im Aquarium zu hältern versucht. Dies als Zwischenlösung, da ich Sie jeweils als Köderfische verwendet habe. Nach 2 Versuchen habe ich es jedoch aufgegben. Die Fische wurden krank in Gefangenschaft.

Zurücksetzen würde ich einen gefangenen Fisch nie. Er kann Krankheiten oder Keime haben welche dann ins Gewässer gelangen.

Gruss
Michael
big trout

Beitrag von big trout »

Das Argument mit dem Stress kann ich teilen.
In meinem Fischbassin habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich Besatzforellen, die zweifellos aus Zuchten kommen besser zum hältern eignen als Wildforellen. Deshalb habe ich auch darauf verzichtet wilde Bachforellen zu hältern. Besatzfische sind ruhiger und benehmen sich natürlicher, sie sind auch weniger scheu. Ich behaupte, dass man bei einer vernünftigen Anzahl Fische, Besatzforellen und Egli über längere Zeit hältern kann, ohne dass sie Stress ausgestzt sind. Ist natürlich schwer diese Hypothese zu überprüfen, aber das lange Ueberleben und das normale Fressverhalten unterstützen diese Hypothese.
..man kann sich auch die Frage stellen ob es mehr Sinn macht, einen Fisch nach dem Fangen sofort zu töten, oder ihn im Bassin zu hältern?
Ich möchte unterstreichen, dass es alle verstehen: ein Fischbassin wird ständig mit Luft angereichertem Wasser mittels Injektor versorgt. Das hat nicht viel gemeinsam mit einem Aquarium.
Ob gestresste Fische anfälliger sind auf Infektionen, kann ich nicht beurteilen. Wobei bei meinem Egli kann ich ausschliessen, dass es sich um eine Infektion handelt. Dann hätte es andere Sympthome.

Seefische in einem Aquarium zu hältern, kann man nicht vergleichen mit einem Fischbassin (oben erwähnt), sofern kein Frischwasseranschluss besteht und ständig in Betrieb ist.
Es gibt Arten: egli, schneider die sich gut zum hältern eignen, ohne dass sie krank werden und sterben. Es gibt aber auch Arten die von mir aus gesehen nicht geeignet sind: Wilde Bachforellen sind sich nicht gewohnt mit Artgenossen in einem Revier zu leben und sind sehr territorial. Hechte sind häufig zu gross für ein Bassin.
hans_dampf_69

Beitrag von hans_dampf_69 »

ich habe ein aquarium das ich mit "wilden" fischen besetze.
leider ein sehr tragisches unterfangen, da noch jeder fisch über kurz
oder lang krank wurde.

stress ist definitv das problem, wobei ich schon bald mehr versteckmöglichkeiten als wasser habe (nicht ganz ernst gemeint) :-).

ich, respektive die fische, zahlen grosses lehrgeld. da es sich aber dabei bis jetzt immer um hechtköder handelte, war es noch vertretbar und ich tötete die fische bei den ersten anzeichen.

was ich aber nie im leben machen würde, ist ein fisch am leben (dahinvegitieren) lassen, wenn er über tag auf dem rücken schwimmt.

kann es sein dass du den drill des fisches recht kurz gehalten hast, und dadurch das egli nicht die möglichkeit hatte seine schwimmblase zu regulieren? und es nun dehalb an der oberfläche "schwimmt"?

wie sieht dein becken aus? liter? woher kommt das frischwasser?
Eagleeye

Beitrag von Eagleeye »

Tja mal eine ganz andere Frage, wo hast du das Egli erwischt?
Quaifischer

Beitrag von Quaifischer »

Uploade doch mal Bilder, dann kann jeder sich ein eigenes Bild machen von deinem Becken :wink:
big trout

Beitrag von big trout »

das Argument mit der Schwimmblase habe ich mir auch schon überlegt. So kurz war der Drill jedoch nicht. Wobei im Sommer habe dieses Problem eigentlich nie, dass die Fische Probleme haben nach dem Fangen. Also denke ich schon, dass es mit der Wassertemperatur zusammenhängt, wobei ein Zusammenhang mit der Schwimmblasenregulation nicht ausgeschlossen werden kann.

Das Egli habe ich im Hallwylersee gefangen.

Mein Fischbassin fasst 250 liter, das Frischwasser kommt direkt von der Leitung.

Wie kann man hier Bilder uploaden? Damit habe ich mich noch nicht so sehr auseinandergesetzt, man muss sie irgendwie verkleinern oder nicht? ich muss es mal nachlesen.

Ich möchte nochmals auf meine ursprüngliche Frage hinweisen, warum die Fische aus einer kalten Wasserschicht beim Fang Mühe bekunden. Ich möchte die Diskussion mehr in diese Richtung leiten.
Eine Grundsatzdiskussion über Hältern oder Töten, wo jeder seine Meinung kundtun kann, könnte man in einem anderen Thread weiterführen.
Eagleeye

Beitrag von Eagleeye »

Na dass du es im Hallwilersee gefangen hast, konnte ich doch auch lesen. Mich hätte eher interessiert, wo genau im See?
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