Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
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astacus

Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von astacus »

Schweizer Angler hat geschrieben:EAWAG ist gegen eine Düngung des Brienzersees mit Phospat!

http://www.eawag.ch/medien/bulletin/20120125/index

http://www.eawag.ch/medien/publ/fb/doc/ ... zersee.pdf
wer lesen kann, ist klar im vorteil :mrgreen:
fatpike hat geschrieben:Hier noch die den Beitrag "Keine Seedüngung für grössere Fische" von der Eawag:

http://www.eawag.ch/medien/bulletin/20120125/index

Und hier ein Faktenblatt:

http://www.eawag.ch/medien/publ/fb/doc/ ... zersee.pdf
Schweizer Angler

Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von Schweizer Angler »

danke asti - nun, die fleischfischer habe eh keine zeit es zu lesen, die schreiben lieber die statisik voll :lol:

gruss

sa
Schweizer Angler

Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von Schweizer Angler »

artikel von heute dem 2.02.2012 im "bund";

http://www.derbund.ch/bern/kanton/Kraft ... y/21390377
gonefishing

Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von gonefishing »

Habe mir mal erlaubt das hier rein zu kopieren
Flümi hat geschrieben:heute Abend nach der Doku über die Costa Concordia und Schettino ("ich bin nicht etwa von der Costa Concordia geflüchtet, sondern gestrauchelt und direkt in das Rettungsboot gefallen" :lol: ) um 20 Uhr, kommt um 21 Uhr auf SF1 Einstein, u.a. mit folgendem Thema:
«Meh Dräck» für den Brienzersee?

Fischer und Biologen laufen seit langem Sturm: Der Brienzersee sei schlicht zu sauber, die Fische fänden keine Nahrung mehr. Falls der Bundesrat nicht endlich für mehr Phosphat sorge, werde der Felchenbestand kollabieren. Doch ist ein solcher Eingriff wirklich zu verantworten? Der Expertenstreit spitzt sich weiter zu. Denn laut einer neuen Studie hätte zu viel Phosphat verheerende Folgen für die Artenvielfalt im See.
http://www.tvprogramm.sf.tv/details/7dd ... f46e2bff37 :wink:
Sascha

Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von Sascha »

Eben im Radio gehört:
Schweizer Felchenpopulationen gehen immer mehr zurück, Grund soll der zu hohe Phosphatgehalt in den Gewässer, namentlich beispielsweise Murtensee, sein. Ausser im Brienzer- und Thunersee, dort haben die einheimischen Fischarten anscheinend eine Nische gefunden.
Was für ein Widerspruch zu den Vorschlägen die man hier so liesst.
rocknroll666

Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von rocknroll666 »

Doch ist ein solcher Eingriff wirklich zu verantworten? Der Expertenstreit spitzt sich weiter zu. Denn laut einer neuen Studie hätte zu viel Phosphat verheerende Folgen für die Artenvielfalt im See.
Natürlich hat er das...
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Garrick
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Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von Garrick »

Zur Sendung "Einstein" betreffend Phosphat

Hallo

nun würd ich von den Fachleuten unter euch nochmal gerne wissen welche Gefahr konkret besteht wenn ein paar Milligramm Phosphat im Seewasser sind.
Sagen wird mal Stand 1990. Nährstoffarmes Wasser welches einen gewisses Wachstum der Fische zulies.

Gemäss den Aussagen der Personen in der Sendung soll damit sogar Geld eingespart werden da die chemischen Fällsalze reduziert werden können.
Der andere sagt dass dazumal als es zuviel (viel zuviel) Phosphat gab viele Felchenarten verschwanden.
Sind die schützenwerten Felchen nun noch da oder ausgestorben??
Ist doch so dass die Felchenunterarten verschwanden weil es extrem zu viel Phosphat gab. Nicht weil es lediglich ein 5 oder 8mg/L hatte!

Und wieso gibts keine ernsthaften Diskussionen über die Wasserkraft die reihenweise Fischarten ausrottet oder an den Rand der Ausrottung bringt??

Da wird um den Schutz von Fisch Unterarten gestritten die es so wie ich das verstehe nicht mehr gibt.
Auf der anderen Seite lässt man die Schweizer Fliessgewässer zur Stromfabrik ohne Leben mutieren.

Ich verstehs nicht mehr!

Gruss Garrick
Schweizer Angler

Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von Schweizer Angler »

wer die sendung verpasst hat, kann sie hier nachsehen:

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=b ... 1c0f003947

persönliche anmerkung; für einen (1) berufsfischer (plus die paar alten die man in der beiz sieht und die selber keine netze mehr auswerfen) so ein "theater"....

künftig kann wohl jeder bauer der kein einkommen mehr findet fordern, dass der staat ihm 100 gratis-kühe auf die weide stellt :x

gruss

sa
gonefishing

Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von gonefishing »

Übertreib nicht so, ein Nebenerwerbsfischer ;-)
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Garrick
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Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von Garrick »

Hallo

die kompetenten Fachleute unter euch sollen sich zu Wort melden!
Persönliche Meinungen interessieren weder mich noch andere Leser und bringen uns auch nicht weiter.
Und alte Säcke werdet ihr auch!

Es gibt ja schliesslich Fakts zu diesem Thema!
Probleme hatten die Felchen nicht mit der angestrebten Phosphatkonzentration sondern mit einer Phosphatvergiftung dazumal.
Also was spricht dagegen dass wir Fischer mehr fangen können. Und nebenbei finde ich dass auch ein einzelner Berufsfischer Rechte hat.
Oder sollen wir sogar die Landwirtschaft in der Schweiz verbieten. Da werden Felder gedüngt die vielleicht mal Feuchtgebiete und Hochmoore waren.

Nehmt Stellung zu meiner Frage. Nicht dummes Geschwätz. Schadet nur dem Forum!

Wäre doch schön wenn auch noch unsere Kinder den feinen Geruch in der Pfanne bruzelnder Felchen richen können!
gonefishing

Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von gonefishing »

Garrick hat geschrieben: Nehmt Stellung zu meiner Frage. Nicht dummes Geschwätz. Schadet nur dem Forum!
Vielleicht solltest du erst mal das lesen, was schon geschrieben wurde...

gonefishing hat geschrieben:Ich bin absolut dagegen, weil:

- ich es für völlig übertrieben halte für einen Nebenerwerbsfischer einen See zu düngen

- ich es für verantwortungslos halte um eine Fischart zu fördern in ein Ökosystem einzugreifen, dessen Zusammenhänge wir bei weitem noch nicht begriffen haben, und damit die Konsequenzen dieses Handeln gar nicht abschätzen können

- sollten keine offensichtlichen negativen aber auch keine positiven Effekte ersichtlich sein, sofort die nächsten Forderungen kommen (z.B. wieder biologischen Dünger, also Fäkalien einzuleiten...)

- man in vielen Fällen den Wert von nährstoffarmen Standorten (z.B. Magerwiesen) erkannt hat, diese mit viel Geld fördert, und unter Wasser soll ein Magerstandort nichts wert sein nur weil es niemand sieht? Genauso könnte ich fordern die Hochalpen zu düngen damit mehr Gemsen geschossen werden können, diese blöden Alpenblumen braucht eh kein Mensch...

- die Reduktion des Nährstoff- und Phosphateintrags eine relativ junge Geschichte ist. Neben der ‚negativen’ Entwicklung bei den Felchen, wurden von einigen Forenmitgliedern auch ‚positive’ Entwicklungen beobachtet. Es ist stark anzunehmen dass sich das Ökosystem See sich noch gar nicht vollständig auf die veränderten Bedingungen eingestellt hat, aber einiges am ‚tun’ ist. Wir haben hier also keinen Endzustand sondern sind in einem Prozess. Im Zweifelsfall sollte man besser die Natur machen lassen.

- es so viele eindeutigere Fälle gibt, wo der Mensch mit negativen Konsequenzen in Gewässer eingegriffen hat, und Massnahmen mit erwiesenermassen positiven Effekt möglich sind. Einige Politiker scheinen hier nur die Möglichkeit zu wittern sehr kostengünstig mal etwas für die Fischer zu tun, womit man diese dann abspeisen kann um das nächste mal wieder mit der Wasserkraftlobby zusammenzuspannen...
gonefishing hat geschrieben: Jetzt wieder ernsthaft, was sind eigentlich die Fakten:

- Die Gesamtphosphor- und Phosphatphosphorkonzentration im Brienzersee ist stark zurückgegangen
- Die Biomasse der Daphnien ist mit Schwankungen sehr gering geworden
- Die Felchen im Brienzersee werden nicht mehr so gross wie auch schon
- Es treten vermehrt sterile Felchen auf
- Die Berufsfischer fangen weniger

Das sind die Fakten die uns vermittelt werden, und die den Rückschluss nahe legen, dass der geringe Phosphatgehalt sich negativ auf den Daphnienbestand und damit auf Felchenbestand und –wachstum auswirkt.


Es gibt aber noch andere Fakten:

- Die Biomasse des anderen Zooplanktons ist konstant
- Die Fangerträge der Angelfischer am Brienzersee sind in den letzten 10 Jahren (anzahlmässig) relativ konstant gestiegen. Der Ertrag 2008 und 2009 lag über dem Durchschnitt der 90er Jahre, auch bei den Felchen
- Der Fangertrag der Angelfischer im Kanton Bern pro Patent (gewichtsmässig) ist in den letzten 20 Jahren relativ konstant gestiegen, wobei der Ertrag aus den Fliessgewässern gesunken ist.
- Im Brienzersee wurden die letzten Jahre wenig bis keine Felchen besetzt, Hechte dagegen schon. 2008-2010: 124'000 Felchen : 470'000 Hechte
- Die Zahl der Berufsfischer am Brienzersee hat abgenommen
- Es werden vermehrt sehr grosse Fischschwärme (Felchen, Bläuel, Egli) beobachtet

Diese zusätzlichen Fakten könnten auch andere Rückschlüsse nahe legen:
Die Verbesserung der Wasserqualität hat zu einem starken zahlenmässigen Wachstum der Fischpopulationen geführt. Der Rückgang der Berufsfischerei hat diese Entwicklung noch begünstigt. Der starke Anstieg der Fischpopulationen hat zu einer Nahrungsverknappung (v.a. Daphnien) geführt. Die Nahrungsverknappung bzw. Überpopulationen haben zu einer Verbuttung bei den Felchen geführt. Durch die geringere Grösse bleiben diese nicht mehr in den Maschen der Netze hängen, wodurch die Berufsfischer viel weniger fangen (im Gegensatz zu den Angelfischern) was die Verbuttung zusätzlich fördert.
Die Sterilität bei den Felchen könnte eine natürliche Reaktion auf die Überpopulation / Verbuttung sein.

Fazit: Im Brienzersee hat es im Moment zahlenmässig zu grosse Fischpopulationen. Dies wird sich aber wahrscheinlich auf natürliche Art einpendeln. Es besteht im Moment kein Handlungsbedarf.

Was zu widerlegen wäre :mrgreen:
gonefishing hat geschrieben: Bezogen auf den Brienzersee kann man sagen dass die Hasliaare ziemlich sicher mal aussah wie heute in Mitteleuropa wohl nur noch der Tagliamento.
http://www.fh-erfurt.de/lgf/uploads/pic ... amento.jpg
Auch bei grösseren Hochwassern wurde kaum nährstoffreicher Boden abgetragen, und der seitliche Eintrag wurde durch grosse Kiesflächen gefiltert. Was heute bei einem Starkregen aus den direkt angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen an Nährstoffen eingetragen wird, ist ein vielfaches dessen was im ‚natürlichen Zustand’ eingetragen wurde.
Die alpinen Ökosysteme können es sich gar nicht leisten so viel Nährstoffe abzugeben, da sie nur wenige produzieren und damit schlicht verschwinden würden.
Die einmündenden Bäche sahen ähnlich aus, Wiesenbäche mit Grün bis an’s Ufer wie heute gab es dort natürlicherweise nie...

Und warum muss es im Brienzersee eigentlich dicke Felchen geben? Auch wenn ausserhalb des Wassers durch den Föhn der klimatische Unterschied vom Brienzersee zum Bieler- oder Bodensee wesentlich geringer ist als unter Wasser, käme niemand auf die Idee um den Brienzersee im grossen Stil Wein oder Gemüse anzubauen. Aber der See selbst soll genauso wie ein See im Mittelland bewirtschaftet werden?
gonefishing hat geschrieben: Das Ziel ist relativ klar, die Frage ist ob eine Definition des Ziels über eine Zielart (dicke Felchen) richtig ist, wie sieht es mit anderen Arten aus (Seeforelle, Groppe...) und evtl. neuen/zurückgekehrten Arten aus? Ich habe da am Thunersee etwas Erstaunliches beobachtet und hoffe das in nächster Zeit filmen zu können, wir wissen einfach viel zu wenig darüber was sich Unterwasser abspielt um 'Gott' spielen zu dürfen.
Auch ist für mich der Weg zu diesem Ziel völlig unklar. Wie ich mal ausgerechnet habe reden wir hier von über 50'000kg Phosphat für die Wassermenge des Brienzersees und 30kg die aufgrund des Zuflusses täglich nachgeschoben werden müssten. Die Phosphatfällung in den Kläranlagen nur etwas reduzieren? In den Waschmitteln sind heute sozusagen keine Phosphate mehr und ich bezweifle dass so in absehbarer Zeit ein messbares Ergebnis erreicht werden kann, höre aber auch schon die nächsten Forderungen.

In jedem Fall sollte man erst mal die Ergebnisse der EAWAG-Studie 'Project lac' abwarten
http://www.jungfrauzeitung.ch/artikel/113811/

...stelle ich einfach mal die Fangstatistik der Angelfischer gegenüber:
http://www.vol.be.ch/vol/de/index/natur ... 989_de.pdf
Gibt es wirklich weniger Fische und gibt die Entwicklung der letzten Jahre Anlass zum Handeln???
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Garrick
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Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von Garrick »

Danke Mattu

für die Kopien

Möchte das sich hier Fachleute zu Wort melden!
Und zwar zu den paar wenigen Fakten die auf dem Tisch liegen.
Phoxinus

Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von Phoxinus »

Hallo mattu
Sehr gut geantwortet!

Gruss Phoxinus
Schweizer Angler

Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von Schweizer Angler »

garrick

schau den filmbeitrag an, an der eawag und auch an der uni be sitzen z.b. fachleute die dies im film ausführlich behandeln - solche fachleute findest du im forum eher nicht, aber du kannst deine fragen ruhig der uni be oder/und der eawag stellen,die beissen erfahrungsgemäss nicht.

für mich persönlich war jedenfalls der verlgleich der fischereistatisstik interessant - heute gibts gleich viel fische im brienzer wie vor 1950, scheinbar war der peak während der (damals unfreiwilligen) düngung.
fragt sich also was ist ein "normalzustand" - der zu zeiten der überdüngung oder der vor ihr? für mich jedenfalls ersteres. und in erster linie will ich nicht viel fangen, aber hie und da was, und wenn dann lieber auch schöne gesunde fische, und es müssen auch nicht 60cm felchen sein. kommen sie aus natürlicher produktion (selbstverlaichung und aufwuchs), dann habe ich noch mehr freude. und interssant war im film auch das fangkistli des berufsfischer, wunderschöne winger drin. schätze ich genau so wie "edel"-fische.

gruss

sa
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