Massforelle besser?

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
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alpfish

Massforelle besser?

Beitrag von alpfish »

Liebe Fischerfreunde

Ich fange am liebsten Fische aus Naturverlaichung und kann das glücklicherweise in meinen gepachteten Bergseen auch seit Jahren mit Freude tun. Es ist meinetwegen künstlich gestartet worden, aber ein stabiler aus meiner Sicht natürlicher Kreislauf hat sich eingestellt.

Im Wallis sind aber besonders die Fliesgewässer oft massiv beinträchtigt:
Wenn der Nachwuchs in einem Gewässer wegen Wasserkraftnutzung fehlt, dann vertrete ich die Meinung dass es sinnvoll ist, durch einen mässigen Besatz mit möglichst kleinen, heimischen Fischen das Gewässer fischereilich zu Nutzen. Aus ökologischer Sicht würde ich hier dann den Laichfischfang vor Ort fordern.
Massfische machen in einem Gewässer Sinn, wo der ausgesetzte Fisch während der Fangsaison ein Lebensgrundlage mit Nahrung vorfindet, aber kleine Fische z.B. wegen regelmässigen Stauseespülungen nicht heranwachsen können.

hier eine andere wissenschaftliche Stellungnahme zum Besatz in den Fliessgewässern: http://www.faunavs.ch/?p=news&action=detail&id=40

Eure Meinungen dazu interessieren mich!
Zuletzt geändert von alpfish am Sa 14. Jan 2012, 12:57, insgesamt 1-mal geändert.
Arts

Re: Massforelle besser?

Beitrag von Arts »

Hallo,

Meine unprofesionelle, aber durch meine Belesenheit und meiner andersdenkenden Aspekte :)

Jetzt rein als Hobbyfischer betrachtet, find ich das natürlich vertretbar das man dort besetzt, fischt, und sogar Laichfischfang betreibt...

Die Frage ist, stellt ein Bergsee wirklich ein isoliertes System dar? Im Sinne der schweizer Fischerei entlasstet das im Kontext den Fischereibedruck auf Salmoniden an Bächen und Flüssen..

Der Begriff "Forellen-Pufff" finde ich nicht nur negativ...

Wenn man wie du sagst, ein natürliches Gleichgewicht schafft, sogar die sich mit der Evolution bildenenden genetischen Eigenartigkeit.
Ich kann mir gut vorstellen das dann, der Laichfischfang eines solchen "genetischen" Bergsee-Pools als absolut positiv zu betrachten ist..

Anderseits, ist es eine interessante Fischerei, die wie gesagt andere Gewässer entlasten kann, lokalen Tourismus fördert und ich finde auch nachaltig sinnvoll ist.

Man müsste aber solche Gewässer dann gleich behandeln wie ein Regalgewässer.... Schonbestimmungen und Entnahmemengen den loaklen verhältnissen anpassen, so das sich so ein Bestand auch entwickeln kann...

Naturverlaichung ist dazu natürlich die Voraussetzung... Ich hoffe in etwa erfasst zu haben was du mitteilen möchtest..

Tom
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passionfisher
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Re: Massforelle besser?

Beitrag von passionfisher »

Betreff: Massforelle besser?
alpfish hat geschrieben:Liebe Fischerfreunde

Ich fange am liebsten Fische aus Naturverlaichung und kann das glücklicherweise in meinen gepachteten Bergseen auch seit Jahren mit Freude tun.
Hallo Alpfish - du Glücklicher!!! Selbst gepachtete Bergseen mit naturverlaichten Fischen, kein Besatz oder wenn dann nur mässig besetzt mit Sömmerlingen, davon träume ich :oops: Darf ich fragen wo du deine Seen gepachtet hast? Bei uns hier im Berner Oberland sind die leider etwas rar, da kommt man eigentlich - wenn überhaupt - wohl nur mit viel Geld oder viel Beziehungen (besser noch beides) ran :(
Aber geb dir bei deiner Ansicht vollkommen recht - bin eigentlich auch kein Freund von fangfähigen Satzfischen, dann lieber weniger und ggf. kleinere Fische fangen, dafür aber schöne gesunde "Naturburschen" :mrgreen:
Hab das auch neulich schon an anderer Stelle gepostet... SaNa für JEDEN Fischer, egal ob er nur 1 Tag im Jahr oder jeden Tag zum Fischen geht, kein Besatz in Bergseen mit Refos odee Bachsaiblingen aus dem Forellenpuff, da Bergseen sehr empfindliche Ökosysteme darstellen - nicht nur Forellenbäche! Besatz zudem nur mit Sömmerlingen oder noch nicht fangreifen Jungfischen typischer Berseefischarten (Seesaibling, Namaycush, ggf. Bach-/Seeforellen), aber keine fangreifen Fische, damit sie wild abwachsen können und so ein stabiler Wildbestand gebildet wird. Dafür lieber Fanglimit auf 4 oder auch nur 3 Fische runter, und von mir aus dann auch konsequenterweise das Eisfischen verbieten (auch wenn ich persönlich das Eisfischen total super finde). Man kann ja als Kompromiss auch einzelne touristisch interessanteste Seen, die es ökologisch auch am ehesten verkraften, weiter so betreiben wie heute, dafür die anderen besser schützen.
Wer schon mal einen wirklich wild geborenen und abgewachsenen Seesaibling oder Namaycush gefangen hat und solch einen wundervollen Fisch in den Händen halten durfte, weiss was ich meine :wink:

Viele Grüsse
René
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helix
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Re: Massforelle besser?

Beitrag von helix »

Die möglichst wirtschaftliche Aufzucht in Aquakulturen ist ja nichts Neues, schon vor rund 200 Jahren hat der Mensch versucht, anstatt sich ausschleisslich an Wildfischen zu bedienen, Fischarten in geschlossenen Teichen zu züchten. Die Aquakultur von Salmoniden wird klar angeführt von den Regenbogenforellen, wo man durch jahrelanges Experimentieren in allen Bereichen heute auf einem Stand ist, wo sich auch Massfische kostenoptimal (günstig) produzieren lassen.

Mit welcher Grösse der Forellen man nun besetzt, ist wie Alpfish schon sagte, sehr vom Gewässer abhängig. Optimale Besatzgrössen bei Forellen sind allerdings für die allermeisten natürlichen Gewässer ganz klar vorgstreckte oder einjährige Forellen, in diesem Alter sind die Fischchen zwischen ca. 3-12 cm lang. Im Wallis, wo die angegebene Studie erarbeitet wurde, haben sie allerdings Flüsse derart "unnatürlich" verunstaltet, dass man da in heutiger Zeit kaum mehr von einem "natürlichen" Gewässer sprechen kann. Es wäre demnach überhaupt nicht nachhaltig, kleinere nicht massige Fische auszusetzen, da sie mit grösster Wahrscheinlichkeit schon vor dem Erreichen des Schonmasses bzw. vor der ersten Ablaichmöglichkeit sterben würden. Deshalb ist eine Revitalisierung der begradigten Flüsse notwendig, um überhaupt ein Besatz mit kleineren Forellen zweckmässig gestalten zu können. Das ist natürlich für die Wallisser sehr zu berüssen und die ganze Studie erachte ich als sehr zukunftsweisend und erfreulich!

Die Situation an vielen Bergseen ist aber überhaupt nicht mit einer begradigten, unnatürlichen Rhone im Wallis zu vergleichen. Viele Bergseen wären gerade zu prädestiniert, um mit juvenilen Salmoniden nachhaltig zu besetzen. In einigen grossen Bergseen werden aber tonnenweise Massfische reingekippt. Bei dieser Besatzstrategie geht es nicht um das Wohl einer intakten und natürlichen Fischpopulation mit dem Gewässer angepassten Fischen, sondern um ein möglichst lukratives Vermarkten und die Förderung des "billigen" Fischereitourismus. Ich persönlich halte gar nichts von solchen Praktiken und kann mich überhaupt nicht an einem solchen widernatürlichen "Pufffisch" erfreuen, da fange ich lieber beim Sefofischen 20 oder 30 Stunden am Stück nichts. Aber jedem das Seine... :wink:
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Gruess helix
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passionfisher
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Re: Massforelle besser?

Beitrag von passionfisher »

helix hat geschrieben: Die Situation an vielen Bergseen ist aber überhaupt nicht mit einer begradigten, unnatürlichen Rhone im Wallis zu vergleichen. Viele Bergseen wären gerade zu prädestiniert, um mit juvenilen Salmoniden nachhaltig zu besetzen. In einigen grossen Bergseen werden aber tonnenweise Massfische reingekippt. Bei dieser Besatzstrategie geht es nicht um das Wohl einer intakten und natürlichen Fischpopulation mit dem Gewässer angepassten Fischen, sondern um ein möglichst lukratives Vermarkten und die Förderung des "billigen" Fischereitourismus. Ich persönlich halte gar nichts von solchen Praktiken und kann mich überhaupt nicht an einem solchen widernatürlichen "Pufffisch" erfreuen :wink:
Dem kann ich nur zustimmen :up:
Merci Helix für diesen geistreichen Beitrag!
alpfish

Re: Massforelle besser?

Beitrag von alpfish »

Ups... ich habe soeben den Eingangsthread ergänzt, weil ich offensichtlich viel zuwenig auf das eigentliche Thema fokussierte und die Einleitung selbst zum Thema wird.
über Bergseen wurde hier schon viel diskutiert: viewtopic.php?f=5&t=2527&hilit=Bergsee

Mich interessieren die Meinungen zur kritisierten Besatzstrategie der walliser Fliessgewässer.

Kurzfassung: statt Sömmerlinge Massfische einsetzen.
forellenfreak

Re: Massforelle besser?

Beitrag von forellenfreak »

Rene

Tolle Aussage......du hast absolut recht :wink: :v:

Auch ich finde dass man in den Bergseen nur Besatz mit Sömmerlingen machen sollte, die Fische sind dann von klein auf im See und lernen so das typische wilde Verhalten. Nur der stärkste überlebt dann. Und wie schon gesagt kann sich so dann ein stabiler Wildbesatz entwickeln. Auch mit der Fanglimite stimme ich dir überein. 3-4 Fische ist genung und völlig gerechtfertigt. Ich finde in höher gelegene Bergseen sollte man es sich gut überlegen was, wie wo. Auch nicht zu viele Sömmerlinge aussetzen. So bleibt ein gutes Nahrungsangebot und Platzverhältniss bestehen, und die Fische könne schonender abwachsen. Vielleicht kann man es aber auch mit Regenbogensömmerlingen probieren. Anderseits haben dann die Namaycush wenn wenig Nahrung vorhanden ist, sicher genung zu fressen, und die Regenbogenforellen die dann abwachsen können werden wunderschöne kampfstarke und vorallem zähe Fische. im Murgsee zeigt sich ja das beste Beispiel das viele Regenbogenforellen durchkommen. Obwohl man sagt dass viele Refos im Winter wegsterben.........warum habe ich dann im Murgsee viele Refos um die 20-24cm ( halt immer noch zu klein zum mitnehmen gefangen,) und natürlich auch ausgesetzt als Sömmerlinge. Somit denke ich dass es mit den Regenbogenforellen sicher ziemlich gut klappen kann. Deine Berichte Alpfish sind ja der perfekte Beweis das es funktioniert.

Mit den Bafos in den Bergseen bin ich skeptisch. In Graubünden zeigte sich ja merheitlich dass die Bafos sehr schlank und eher kleinwüchsig bleiben. Es herrscht auch ein Verdrängungskampf zischen Namay und Bachforelle. Entweder also nur Bafos und keine Kanuks oder umgekehrt aussetzen. Zu den Bachsaiblingen denke ich auch dass sie gut durckommen. Sie sind auch an eher schlechtere Bedienungen besser angepasst. Und er ist auch ein wunderschöner kampfstarker Fisch. Mein Spruch wie schon gesagt Weniger ist halt manchmal mehr. 3 Fischarten in einem Bergsee sind genug.

Wenn Massfische schon besetzt werden, dann aber nur auch in bester Qualität.

Sorry wegen deinem eigentlichen Thema Alpfish aber ich fand das Thema von Rene noch ziemlich interessant :v:
habakuk

Re: Massforelle besser?

Beitrag von habakuk »

es gibt massfischbesatz, und massfischbesatz.

bei "natürlichen" gewässern gilt für mich:
laichfischfang&aufzuchtbach = ok. am liebsten "untermassige" oder gemischter besatz.
"puffforellen" in ein fliessgewässe besetzen = no go! das ist reine tourismus- und hechtförderung.
(und ich werde "hässig" wenns private und vereine ständig "illegal" machen! :x )

besser wäre es, in gesunde bäche und fischpassagen zu investieren, damit wieder naturverlaichung stattfinden kann.
genoni33

Re: Massforelle besser?

Beitrag von genoni33 »

Bei uns in einem Limmatverein (laut Gerüchten, hab selber noch nie eine Gefangen, und war noch nie beim Aussetzen dabei), setzt der Vorstand illegal ReFos ein, illegal, aber verständlich. Bei uns überleben Forellen eh nur den Winter, im Sommer ist 25 Grad. Finde ich persönlich schade, aber es beweist was mit einem Gewässer passiert, das durch die Erderwärmung geschädigt wird. Alle Seitenbäche der Limmat au Stadgebiet sind kanalisiert, darum können die Forellen auch nicht abwandern und verenden qualvoll. Schuld daran sind die Stauwehre, im Oberwasser des Wehres gibt es sogar Schleien, und das in einem Fluss der Äschen-/Barbenregion :(
alpfish

Re: Massforelle besser?

Beitrag von alpfish »

hier noch ein Artikel vom Walliser Boten, den fishfinder auf seiner Site eingerichtet hat:

http://www.fishfinder.ch/deutsch/news/2 ... 120107.pdf
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