Verschwindet die Bachforelle in den nächsten 50 Jahren ?

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
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Just

Beitrag von Just »

Dass der Klimawandel uns vor grosse Probleme stellen wird, auch in der Fischerei, das ist so deutlich wie das Loch in meinem Geldbeutel.
Aber wenn wir uns von solchen Prognosen leiten lassen würden, dann käme es zur Stagnation und damit wäre die Lähmung unserer Gesellschaft in diesem Bereich vorprogrammiert - dann ginge nix mehr.

Mein Verein bemüht sich seit Jahren, unseren Bachforellenbestand über Besatz zu stabilisieren. Dazu kaufen wir 2-3cm lange Brütlinge an und ziehen sie vor, mit 7-28 cm Länge werden sie dann ausgewildert. Das werden wir auch weiterhin tun, allen Prognosen zum Trotz.
Vielleicht ist das das Szenario der Zukunft - durch zu hohe Wassertemperaturen können unsere Salmonidenpopulationen nur noch über Brutanstalten erhalten werden, weil sie nicht mehr ablaichen - wäre möglich.
Vielleicht passen sie sich aber auch den höheren Temperaturen an, wenn ansonsten alles stimmt - Sauerstoffgehalt, Laichsubstrat usw. - wer weiss das heute schon ?!

Wie sagte mal ein schlauer Mensch: Wenn morgen die Welt unterginge, ich würde heute noch einen Baum pflanzen ...
astacus

Re: Verschwindet die Bachforelle in den nächsten 50 Jahren ?

Beitrag von astacus »

Alet hat geschrieben:Die im Artikel angesprochen PKD wird viel zu wenig beachtet. Ich vermute diese Krankheit ist die Hauptursache für den Forellenrückgang im Mitteland, vor den anderen bereits erwähnten Problemen.
die PKD ist sicher ein faktor für den forellen- bzw. salmonidenrückgang, auch wenn dies von manchen fischern bestritten wird. sie ist halt eine von mehreren folgen der ansteigenden wassertemperatur, durch welche sie sich in den letzten jahren stark ausbreiten konnte. die andere ursache für die verbreitung der PKD ist der intensive besatz von forellen in praktisch jeden bach :?

jedoch werden bei uns bachsysteme, die bei PKD-untersuchungen stets negativnachweise vorwiesen, inzwischen möglichst abgeriegelt. es werden dort wie auch anderswo nur noch sicher PKD-freie fische besetzt und es geht sogar soweit, dass die kantonale fischereiverwaltung sich stark dagegen sträubt, PKD-freie gewässer mit dem restlichen gewässersystem zu vernetzen. konkret werden an verschiedenen PKD-freien seitengewässer der (PKD-verseuchten) aare bewusst wanderhindenrisse nicht entfernt.

interessanterweise ist an diesen PKD-freien gewässern der forellenbestand in aller regel genau so am boden wie in den PKD-verseuchten gewässern. das spricht eigentlich dagegen, dass die PKD die hauptursache des forellenrückgangs ist. sicherlich hat sie aber einen negativen einfluss.
gmischol hat geschrieben:Immer wieder diese Computermodelle!
Sie haben uns schon in den Modellen des Club of Rome vorausgesagt, dass uns die Ressourcen im Jahr so und so ausgehen werden und laut diesen Modellen müssten heute schon Millionen von Menschen an Mangel/Hunger gestorben sein. Nachdem dies nicht eingetreten ist,...
ähm, sag mal, ist dir irgendwie entgangen, dass weltweit rund 900 millionen (in zahlen: 900'000'000) menschen an hunger leiden und davon täglich rund 15'000 daran sterben (zahlen von 2008)??? das macht dann alleine pro jahr schon rund 5 millionen tote...
gmischol hat geschrieben:Als ich zur Schule ging in den 70er Jahren, hat man uns aufgrund von Computermodellen die nächste Eiszeit prognostiziert, passend zur Erdölkrise
gut, diese eiszeit ist ja bekanntlich nicht eingetreten. aber (computer-)modelle verändern und verbessern sich auch, wodurch zumindest die wahrscheinlichkeit steigt, dass sie eintreten. und schlussendlich rechnet man in der wissenschaft immer mit wahrscheinlichktein, wo niemand versprechen kann, die sie dann auch eintreten.

sie völlig beiseite wischen muss man sie aber dann trotzdem auch nicht :wink:
gmischol hat geschrieben:Dann kam das Waldsterben. Auch hier wurde wieder aufgrund von Computermodellen prognostiziert, dass ganz Europa (wenn nicht sogar die ganze Welt) um die Jahrtausendwende ohne Wälder dastehen und nur noch aus Steppen bestehen würde. Das Horrorszenarium vom Waldsterben scheint nun aber, nachdem die Waldfläche in Europa deutlich am Zunehmen ist, doch gestorben zu sein.
das waldsterben in den 70ern und 80ern ist auch immer ein beliebtes, wenn auch nicht richtiges argument von personen, den klimawandel anzweifeln. übersehen wird beispielsweise, dass das waldsterben damals v.a. von umweltverbänden thematisiert und von den medien gepusht wurde, während in der wissenschaft die datenlage aber überhaupt nicht eindeutig war. ein namhafter teil der renommierten wissenschaftswelt sagte schon damals klar, dass eher kein grossflächiges waldsterben droht. der klimawandel wird heute zwar auch von umweltverbänden und medien thematisiert, aber die wissenschaft ist sich über grundsätzliche atmosphärisch relevanten vorgänge (etwa den CO2-ausstoss) und deren wahrscheinlichen folgen einig und unterstützt diese sichtweise.

es darf zudem nicht vergessen werden, dass aufgrund der debatte zum waldsterben noch zu dieser zeit sehr strenge richtlinien zum schutz der luft erlassen wurden. die konzentrationen von saurem regen und mehreren relevanten schadstoffen konnten erheblich reduziert werden (z.b. schwefel- und stickoxide um rund 50%), was dem waldsterben durchaus entgegen gewirkt haben könnte.

aber dem wald geht es heute eigentlich trotzdem nicht gut. sicherlich kann nicht von einem eigentlichen waldsterben gesprochen werden. aber lokal, besonders in der umgebung von schwerindustrie, hat es immer noch stark geschädigte waldflächen. es ist also nicht verkehrt, den gesundheitszustand des waldes zu beachten, auch wenn er heute im grossen und ganzen kein problem ist.


nichts desto trotz nerve auch mich inzwischen extrem am der klimahysterie, die zur zeit von verschiedenen seiten verbreitet wird :wink:

vielfach wird leider der begriff "klimaneutral" mit dem begriff "ökologisch nachhaltig" verwechselt und das klima wird als einziger ökologischer faktor betrachtet. dabei gehen dann andere umweltfaktoren wie die auch für menschen unverzichtbare artenvielfalt vergessen, etwa beim anbau von bio-sprit-pflanzen (raps, mais, etc.) oder bei der errichtung wasserkraftwerken.

teilweise werfe auch ich gewissen kreisen wirklich "klimapopulismus" vor :evil:
Just hat geschrieben:Vielleicht ist das das Szenario der Zukunft - durch zu hohe Wassertemperaturen können unsere Salmonidenpopulationen nur noch über Brutanstalten erhalten werden, weil sie nicht mehr ablaichen - wäre möglich.
danke, aber tiere in lebensräume auszusetzen, die ihren lebensraumansprüchen eindeutig nicht entsprechen, ist nichts anderes als reine tierquälerei!
Just hat geschrieben:Vielleicht passen sie sich aber auch den höheren Temperaturen an, wenn ansonsten alles stimmt - Sauerstoffgehalt, Laichsubstrat usw. - wer weiss das heute schon ?!
darauf widerum hoffe ich. ich plädiere hierbei aber primär dafür, wo immer möglich auf zusätzlichen besatz zu verzichten und dafür die schon vorhandenen laichtiere zu fördern. dies könnte z.b. mit der einführung eines fangfensters zur schonung von grösseren laichtieren und mit einer besseren vernetzung mit den seitengewässern (erschliessung von zusätzlichen oder besseren laichplätzen) geschehen. damit erhöht man die chance, anpassungen der population an den lokalen lebensraum beizubehalten.

besatz halte ich höchstens als initialbesatz oder als stützbesatz bei sonst nicht mehr überlebensfähigen restbeständen für sinnvoll.
Just hat geschrieben:Wie sagte mal ein schlauer Mensch: Wenn morgen die Welt unterginge, ich würde heute noch einen Baum pflanzen ...
:up:


p.s.: sorry, wurde ein bisschen sehr lang :?
gonefishing

Re: Verschwindet die Bachforelle in den nächsten 50 Jahren ?

Beitrag von gonefishing »

astacus hat geschrieben:
Just hat geschrieben:Wie sagte mal ein schlauer Mensch: Wenn morgen die Welt unterginge, ich würde heute noch einen Baum pflanzen ...
:up:
Aber Asti, das lässt du einfach kommentarlos so stehen?

Mit den Bäumen ist es nicht anders als mit den Fischen. Die meisten grossen Baumschulen liegen in Norddeutschland und Holland, fremde und genetisch veränderte Arten werden eingeschleppt, Krankheiten wie Gitterrost oder Feuerbrand breiten sich aus...
Am Tag vor dem Weltuntergang sollte man da schon verdammt vorsichtig sein, und nur Ware aus heimischen Forstbaumschulen beziehen... :lol:
Schweizer Angler

Re: Verschwindet die Bachforelle in den nächsten 50 Jahren ?

Beitrag von Schweizer Angler »

heisst es eigentlich wie ein baum in der brandung, oder wie ein baum in brandenburg? :shock:

gruss

sa
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gmischol
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Re: Verschwindet die Bachforelle in den nächsten 50 Jahren ?

Beitrag von gmischol »

@ Astacus
das waldsterben in den 70ern und 80ern ist auch immer ein beliebtes, wenn auch nicht richtiges argument von personen, den klimawandel anzweifeln.
ich glaube sehr wohl, dass sich das Klima wandelt. Es hat sich immer gewandelt und wird es auch weiterhin tun. Die historische Klimatologie gibt sehr interessante Einblicke, wie zum Beispiel in diesem Buch: http://www.buch.ch/shop/bch_start_start ... ahre+klima
Und mir ist auch bewusst, dass viele Menschen hungern. Das hat aber nicht allzu viel mit einem Mangel an Ressourcen (wie das der Club of Rome prognostiziert hat) als mit einer schlechten Verteilung und Korruption in vielen Ländern, in denen Menschen hugern, zu tun. Meine Aussage bezüglich der Modelle sollte eigentlich dahin gehen, dass sie uns immer wieder schlimme Prognosen geben, und wenn sie dann nicht eintreten, gibt man nicht zu, dass die Modelle nicht viel getaugt haben sondern verschiebt die "Apokalypse" weiter in die Zukunft. Bestes Beispiel dafür ist der von mir zittierte Club of Rome.
Leo Festinger hat zu diesem Thema ein sehr interessantes Buch geschrieben. Sie haben Leute in eine Gruppe eingeschleust, die den Untergang der Welt vorausgesagt hat, dessen Datum sie von Ausserirdischen erhalten hatten. Wer der Gruppe beitrat, würde am Tag des jüngsten Gerichts von den Ausserirdischen gerettet werden, die anderen würden sterben. Die geretteten würden dann zur Erde zurückkehren, um bessere Menschen zu sein. Leo Festinger hat untersucht, wie sich diese Menschen verhalten, wenn das Ereignis zum gegebenen Zeitpunkt nicht eintritt. Gewisse Leute kehrten sich von der Gruppe ab, andere glaubten noch viel fester an den Weltuntergang, nur halt eben zu einem späteren Zeitpunkt. Parallelen zu den Computer-Modellierern sind gegeben. Das Buch heisst "When prophecy fails" Leider nur in Englisch aber sehr lesenswert.
http://www.buch.ch/shop/bch_start_start ... 2ni2e7.tc2.
Ich glaube Computermodelle sind sehr gute Studienobjekte, der Output kann, wie du so schön sagst, eintreffen oder eben auch nicht. Die Wissenschaft gibt hier Wahrscheinlichkeiten an. Aber eben, in den Medien werden solche Ergebnisse nicht als Möglichkeiten sondern häufig als Tatsachen dargestellt. Und ich glaube, man erreicht damit gar nichts, ausser dass die Leute immer mehr abstumpfen. Wenn du Umfragen anschaust, was den Leuten Sorgen macht, dann sind es ganz andere Dinge als der Klimagau.
Nicht nur das Waldsterben wurde von den Medien hochgepusht, mit dem Klimawandel geschieht genau das gleiche. Jede Zeitung muss sich mit noch katastrophaleren Meldungen hervortun und Al Gore ( DER grosse Klimapopulist, der zudem noch viele Fakten falsch darstellt) tingelt wie ein neuer Messias durch die Lande um uns vor dem bestehenden Ende der Welt zu warnen (hat durchaus Parallelen zur Religion) und er teilt uns gleich auch noch mit, wie wir uns von unseren Sünden erlösen können.
Versteh mich bitte nicht falsch: ich bin für Umweltschutz, das ist mir ein sehr grosses Anliegen, auch fürs Sparen beim Energieverbrauch. Der ganze Hype ums CO2 führt aber dazu, dass die lokalen Problemzonen kaum mehr wahrgenommen werden und alles was CO2-neutral ist, ist oekologisch und gut (siehe Wasserkraft und die Zerstörung des Lebensraum).
Natürlich hatte die ganze Diskussion übers Waldsterben auch gute Seiten, wie du sie darlegst. Aber so ist es eben im Leben, nichts ist nur schlecht oder nur gut. Und es bleibt eigentlich zu hoffen, dass aus der angeheizten Klimadebatte in ein paar Jahren vielleicht auch positive Wirkungen entstehen (Minergie-Häuser, verbesserte Isolation von Häusern, sparsamere Autos etc.), was nur zu begrüssen wäre.

Gruss

Gaudenz
Jeder Mann braucht etwas Verrücktheit oder er wagt es nie, das Seil zu durchtrennen und frei zu sein. Alexis Sorbas
Boulengerochromis

Re: Verschwindet die Bachforelle in den nächsten 50 Jahren ?

Beitrag von Boulengerochromis »

Schweizer Angler hat geschrieben:dass dereinst im ticino nilbarsche gefangen werden
Naja, Nilbarsche in Schweiz.... würde mich wundern wie sie macht zum kommen bis zum Tessin.... evtl mit armen, boot und rude :lol: oder "à la Protopterus" (mit Lungen) :lol:

Persönnlich gehe ich einfach nicht fischen in die Forellen-Bächen... Bielersee, Aar und Zihl genügt mir für mein Hobby... :wink:
Schweizer Angler

Re: Verschwindet die Bachforelle in den nächsten 50 Jahren ?

Beitrag von Schweizer Angler »

die nilbarsche werden dänk ausgesetzt, wie soll eine fremde fischart jemals sonst zu uns gekommen sein, siehe rbf :lol:

gruss

sa
fishcatcha85

Re: Verschwindet die Bachforelle in den nächsten 50 Jahren ?

Beitrag von fishcatcha85 »

ich denke auch, dass die bafo der nächste fisch sein wird der im der CH vom aussterben bedroht sein wird...

denke mann kann nicht nur einem faktor die "schuld" zuweisen sonder es liegt bei allen einzelnen faktoren...

ich denke fische sollte es auf jeden fall geben.. in vielen bäche hat es ja praktisch nur bachforellen.. wenn die weg sind was dann? ich meine nicht als fischer... aber das wäre das gleiche wie wenn es in einem wald keine tiere hätte...

ich denke auch dass ohne besatz die forelle noch seltener wäre... ist sicher keine optimal lösung aber ich denke so hält man künstlich einen bestand oder so

was andere arten angeht... muss ja nicht gleich regenbögler sein.. in grossen flüsse wäre das sicher gut... aber es gibt eine nähäre verwandte der bachforelle... im mittelmeerraum gibt es die macrostigma forelle... ich hab zwar keine ahnung ob die im alpenraum gedeihen würde... sie sollte ja etwas höhere temperaturen vertragen als unsere bafos... aber wie gesagt ist sie sehr nahe verwandt mit unseren bafos... optish sieht sie von den farben her ziemlich ähnlich aus...

naja.. es hat hier bestimmt leute die mehr als ich davon wissen ...

wir können leider nur zuschauen... wir können leider nicht alles beeinflussen... leider... es wird immer mehr negative einflüsse geben die wir nicht ändern können... aber kämpfen muss man immer :guns:
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