Im Büro geht es sowieso drüber und drunter ob ich nun 12 Stunden am Tag arbeite oder mal einfach einen Tag Überstunden abfeiere, das Arbeitsaufkommen ist zur Zeit einfach nur unüberschaubar und unendlich scheinend… so dachte ich für mich und schob meinem Vorgesetzten einfach einen Überzeit-Kompensationsantrag hin und wartete auf was passiert. Und siehe da, unverhofft kommt oft, nach dem Mittagessen lag der Wisch unterzeichnet auf meinem Tisch. Dies bedeutete, meinem Zweitages Seeforellen Trip ins Jura stand nichts mehr im Wege. Auch nicht als in letzter Minute zwei geplante Begleiter absagen mussten, mir war einfach nur sternenklar, ich zieh das Ding auch alleine durch und so bestieg ich am Donnerstag direkt nach der Arbeit das fix fertig gepackte Auto und ab gings in Richtung Swiss Romande.
Die Fahrstrecke, gut 3 Stunden von Dübendorf aus, bot natürlich wider besseren Wissens, viel Zeit um HOFFNUNGEN und ERWARTUNGEN in die kommende zwei Tage zu schüren. Vertieft in Gedanken verging die Fahrt wie im Flug und ich erreiche gegen 21 Uhr mein bevorzugtes B&B unweit des Sees. Nach kurzer Begrüssung und Frühstückszeit Absprache geht’s auch schon ab in die Koje, warten doch am nächsten Tag kilometerlange Naturufer um von mir befischt zu werden.
Das Frühstück, opulent, keines der vielen 4-Sterne Hotels die ich von meinen Geschäftsreisen kenne, kommen gegen das Frühstück Frau Golay an. Sie verwöhnt mich wie einst meine Oma und irgendwie entdecke ich ein längst vergessenes Gefühl neu. Ich fühle mich rund um zufrieden und in dieser Stimmung fahre ich zum See, der sich an diesem und auch am kommenden Morgen zuerst in dicksten Nebel hüllt. Der Nebel ist so dicht, ich sehe kaum wo mein Wander aufs Wasser aufschlägt ....

....und noch ehe ich mich versehe, Biss, Drill, Landung, Seeforelle!



Im max. fünften Wurf fange ich diese Seeforelle von ca. 35 cm. Nach 3000 Würfen am Zürichsee ohne Rupf, scheint hier alles so einfach, aus HOFFNUNG wird klammheimlich Erwartung! Ja genau, genau die ERWARTUNG die ich stets zu vermeiden trachte, da Erwartungen eigentlich nur enttäuscht werden können und sich nur in den seltensten Fällen erfüllen und dann gar nicht so schön sind, da sie ja bereits erwartet wurden! Alles klar !?
Es kommt wie es kommen musste, es blieb der einzige Biss an diesem Tag, der sich in der Folge als sonnig und für einen Apriltag als sehr heiss entpuppt.
Tag 2 beginnt wie Tag 1, nein kein Biss im 5ten Wurf, sondern Nebel dicht und was neu ist, andere Uferfischer. Am Tag zuvor waren die Ufer noch alleine MEIN!



Gegen Mittag, fast schon unverhofft, wenngleich provisorisch angekündigt, treffen drei bekannte Fishing Buddies ein. Ich freue mich die Jungs zu sehen, gefischt habe ich alleine lange genug und KAMERADSCHAFT am Wasser bringt stets neue Inspirationen! Und so war es auch, die Jungs und die mitgebrachte Neue Inspiration bringen Nikki einen 90++ Hecht, eine 35 cm Seefo und mir tatsächlich noch einen 55 cm Hecht. Zusammen zählen wir bis am Abend noch etliche teils gute Bisse die sich aber einer genaueren Betrachtung geschickt entziehen konnten.

Gebrandmarkt von der Sonne, von Seeforellen gefoppt, nicht ganz erfüllte Hoffnungen/Erwartungen, müde und doch Dank toller fischereilicher Kameradschaft erfüllt und glücklich fahren wir nach hause. Ich werde diese Tage am Lac noch lange in bester Erinnerung behalten!

(Danke Firetiger für deinen Propgummi und Dir Nikki für den tollen Kaffee und die geduldig ertragenen von mir geschnorrten Zigaretten)
Tight-lines
JJ




